Das sind wir


Hey, wir sind Jess und Ben!

 

Gemeinsam reisen wir mit unseren Vandogs auf zwölf Quadratmetern durch die Welt. Wir haben unser Leben im Hamsterrad hinter uns gelassen und uns vom klassischen 0815 Alltag verabschiedet, um fernab der breitgetrampelten Wege der Gesellschaft unseren ganz eigenen kleinen Trampelpfad zu finden.

 

Kaum kannten wir uns, als wir es wagten, auf engstem Raum in das wohl größte Abenteuer unseres Lebens zu starten. Jeder von uns war schon lange nicht mehr glücklich gewesen in seinem alten Leben und wusste, dass er so nicht weitermachen wollte. Als wir uns kennenlernten, teilten wir lediglich den Wunsch, raus aus dem Hamsterrad zu kommen. Wir hatten beide den verrückten Traum nach einem vollkommen anderen Leben, wie dem, dass uns in unserer Gesellschaft vorgelebt wurde. Diese Gemeinsamkeit war es, die uns zusammen brachte und den Wunsch weckte, sich näher kennenzulernen. Auf zwölf Quadratmetern ist das eine ganz schöne Feuertaufe! Nicht selten ging es zu Beginn bei uns sehr hitzig zu, doch wir kühlten uns auch immer wieder schnell ab und fanden mit klarem Kopf für jedes Problem eine Lösung.

 

Auch wenn wir die Gemeinsamkeit eines Aussteigerlebens teilen, sind wir unterschiedlicher, wie man kaum sein kann. Auf zwei komplett verschiedenen Wegen haben wir uns an den Punkt bringen lassen, aussteigen zu wollen. Diese unterschiedlichen Leben unter ein so kleines Dach zu quetschen, schien am Anfang unmöglich. Mit der Zeit jedoch lernte jeder von uns für sich, sein neues Leben kennen und lieben. Wir sehen es auch heute noch stets als Herausforderung vom anderen zu lernen und unseren Horizont um dessen Erfahrungen zu erweitern.

 

Den Schritt in die vollkommene Unabhängigkeit zu wagen und sich gleichzeitig auf eine abartig intime Weise vom anderen abhängig zu machen, schweißt ungeheuerlich zusammen. Beide mussten wir uns durchsetzen gegen Menschen in unserem Umfeld, die uns für absolut verrückt hielten und uns den Ausstieg niemals zugetraut hatten. Gemeinsam haben wir uns die Kraft geliefert uns von all den Zweiflern nicht unterkriegen zu lassen und unseren Weg zu gehen. Wenngleich uns das Schicksal aus den unterschiedlichsten Richtungen zusammengeführt hat, dieser Weg, den wir beide vor uns sahen, war derselbe. Als wir uns an der großen Kreuzung unseres Lebens begegneten, spielte es schlussendlich keine Rolle mehr, woher wir kamen, sondern lediglich, wohin wir wollen.

Trotz der Ungewissheit und Unsicherheit, die all das Neue auch jetzt noch immer wieder mit sich bringt, werden wir doch mit jedem Tag sichere in dem Leben als Vanlifer und der Liebe zueinander.

 

Gemeinsam haben wir in unserem ersten Jahr bereits Hürden gemeistert, die manche Beziehung ein Leben lang nicht überwinden muss. Dennoch haben wir uns nicht unterkriegen lassen. Wir wollen uns vortasten in dieser Welt. Einer Welt, die unzählige Möglichkeiten und Richtungen für uns offenhält. Noch längst nicht haben wir alle Wege überschaut. Schon viel zu viele schier unbetretbare Pfade mussten wir laufen, doch wir werden nicht aufgeben und uns noch auf viele weitere Wege wagen. Und wenn uns keiner gefällt, dann wagen wir uns – voller Neugierde und Mut – auf einen neuen Weg, den wir mit jedem Schritt in unsere Richtung festigen werden.

Aussteiger Ben

Vom Rocker zum Blogger

Hey, ich bin der Ben.

 

Mit meinen fast 40 Jahre auf dem Buckel bin ich im Moment auf der wohl spannendsten Reise überhaupt. Bei mir ging es schon immer etwas turbulent zu. Ich hatte kaum eine Phase in meinem Leben, in der ich wirklich das Gefühl hatte angekommen zu sein, doch so langsam glaube ich, es könnte bald soweit sein.

 

Seit fast vier Jahrzehnten auf diesem Planeten habe ich Sachen erlebt, von denen können und wollen die meisten nicht einmal träumen. Zwar schuftete ich mich zuletzt – bevor ich den großen Schritt zum Ausstieg gewagt habe – täglich in einem Erdenwerk ab, doch das war nicht immer so. Meine berufliche Laufbahn ist kunterbunt und hätte mir eigentlich irgendwann das Gefühl geben sollen, richtig zu sein. Aber auf diese Eingebung wartete ich vergebens. Egal ob als Rettungssanitäter oder Koch, beim Tauchen oder Pakete ausfahren, in der Telefonhotline oder beim Rettungsschwimmen – alles machte irgendwie Spaß, hat mich um viel Wissen bereichert, mich aber dennoch nie wirklich glücklich gemacht. Auch als ich mich verpflichtete und für mein Land in den Krieg zog, fand ich keine Erfüllung. Ich bin einfach kein Mitläufer, absolut kein Fan von blindem Gehorsam und neige dazu, lieber meinen eigenen Weg zu gehen, als den mir vorgeschriebenen.

 

Dieser Eigensinn wurde mir beinahe zum Verhängnis, als ich es in einem der größten Motorradclubs der Welt zum Europe Secretary and Treashure geschafft habe. Eine hohe Stellung, die viel Vergnügen aber auch Verantwortung mit sich brachte. Nach einigen Jahren im Club habe ich festgestellt, dass all die Macht und das Geld zwar sehr verführerisch sind, aber nicht wirklich glücklich machen. Von den Freiheiten, die mir durch das Leben im Club ermöglicht wurden, können die meisten Menschen nur träumen. Dennoch fehlte mir auch hier das Gefühl wirklich anzukommen und richtig zu sein. Die Schattenseiten des Clublebens sprachen mit der Zeit einfach für sich.

 

Viel zu oft gab es Situationen, in denen ich mir nicht sicher war, ob und wie ich sie heil überstehen sollte. Dabei war mein eigenes Wohl nicht einmal meine größte Sorge. Damals hatte ich ein Haus mit Frau und Kindern und mitten drin meine beiden Vierbeiner. Wann immer jemand glaubte, etwas gegen mich in der Hand zu haben – da war auch gelegentlich die Polizei ganz vorne mit dabei – wurde das Haus auf den Kopf gestellt, in der Regel ohne Voranmeldung und alles andere als vorsichtig. Oft war ich nicht daheim und wusste nicht, wie es meiner damaligen Freundin, meinen Stieftöchtern oder den Hunden geht. Und ganz genau da hörte dann der Spaß für mich auf. Hinzu kam, dass die geschworene Treue im Club oft gebrochen wurde. Nur noch wenigen Brüdern begegne ich heute in Freundschaft. Doch diese wenigen sind es, die ich auch jetzt noch gelgentlich vermisse und denen ich immer noch treu als Bruder und Freund zur Seite stehe. Dazu braucht es jedoch keinen Rang, nein, entscheidend hierfür sind Charakter und Herz, wovon ich behaupten will beides zu haben. Also legte ich meine Kutte ab und wagte es, dem Club den Rücken zu kehren. Den 1%-er trage ich aber – auf meine ganz eigene Art und Weise – in meinem Herzen auf ewig bei mir.

 

Die zweitgrößte Leidenschaft, neben dem Motorradfahren, ist für mich das Sondeln. Meinen Metalldetektor habe ich, im Gegensatz zum Motorrad – welchem ich noch oft nachtrauere – nicht hergegeben. Auf der Suche nach Schätzen der Vergangenheit, habe ich schon unzählige Stunden mit meinem Detektor in der Hand auf Äckern und Feldern verbracht. Gemeinsam mit meinem besten Freund begab ich mich früher fast jede Nacht auf den Weg den ganz großen Schatz zu finden.

 

Was auf unseren Feldern und Wiesen liegt, ist nicht nur Müll. Von alten geschmiedeten Nägeln aus dem Mittelalter über Silbermünze aus dem Römischen Reich kann man so einiges an verschollener Geschichte wieder aufleben lassen. Doch all die Münzen und wertvollen Stücke Vergangenheit waren nie das Wichtigste für uns. Nein. Das waren die Momente, in denen wir einfach nur über das Universum philosophierten und uns in klaren Nächten unter dem Sternenhimmel neu entdeckten. Unzählige Male fragten wir uns nach dem Sinn im Leben und ob es nicht einfach das Beste wäre, alles hinter sich zu lassen und abzuhauen. Diese Momente haben mich nie wieder losgelassen und mir schlussendlich den Antrieb zum Ausstieg gegeben.

Es war zum Schluss ein großer Spagat zwischen dem Rockerleben und dem Sondlerleben. Oft schien es mir grotesk diese zwei Seiten in mir zu tragen und ich merkte dadurch immer wieder, dass ich einfach noch nicht wirklich angekommen war. Völlig egal wie viel Macht, Motorräder oder Geld ich auch hatte, am glücklichsten war ich mit den Händen in der Erde auf der Suche nach einem alten Stück Metall, das irgendwann einmal vielleicht Teil einer Kette war, die eine Frau von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte als Zeichen seiner Liebe. Mein Rockerleben gab ich auf, doch meine Begeisterung für alte, verloren gegangene Schätze nehme ich mit an jeden Ort, den wir bereisen.

 

Egal wo es mich in meinem Leben bisher hin verschlagen hat, als Rocker ins Penthouse, als Obdachloser auf die Straße, als Soldat in den Krieg oder als braver Hamster ins Rad, es fehlte mir immer etwas im Leben. Dieses Etwas, kann man nicht in Worte fassen. Es ist eine Art der inneren Unruhe, sich einfach nie angekommen zu fühlen. In keines meiner alten Leben möchte ich je wieder zurück und auch die 3D Version von Täglich grüßt das Murmeltier könnte ich mir als Hamster im Rad zweifelsfrei nicht mehr vorstellen. Der Ausstieg gab mir die Möglichkeit eine ganz neue Seite dieser Welt – und auch von mir – kennenzulernen und mich nun vielleicht endlich irgendwann, irgendwo auf dieser Erde an einem Fleckchen angekommen zu fühlen.

Vanliferin Jess

Vom Unistreben ins Abenteuerleben

Hey, ich bin Jess!

 

Als gebürtige Heilbronnerin habe ich mit meinen 26 jungen Jahren vor einiger Zeit die ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den Luxus eines normalen Lebens hinter mir zulassen und einen anderen Weg einzuschlagen. Ich liebe die Natur und will ihr so nahe sein, wie es nur geht. Dafür habe ich mich von meinem Alltag im Hamsterrad gelöst, von allem Unwichtigen getrennt und bin in ein waschechtes Vanlife gestartet. Auf knapp 12 qm bereise ich nun schon eine ganze Weile als Aussteigerin mit drei Vandogs und meinem Reisebegleiter wie auch Lebensgefährten Ben die Welt.

 

Schon während meiner Ausbildung zur Mediengestalterin bei einem städtischen Tageblatt merkte ich, dass die Arbeit bei der Zeitung nicht so ganz meine große Erfüllung darstellte. Ich bekam zunehmend das Gefühl, dass es da draußen doch mehr für mich geben musste als eine 40 Stunden Woche till the ende of time.

 

Eine große Leidenschaft von mir stellt schon immer das Schreiben dar. Als Texterin arbeite ich mit den unterschiedlichsten Auftraggebern zusammen und tobe mich sonst gerne auf unserem Reiseblog kreativ aus. Ebenfalls ein Großteil meiner Freizeit wird schon lange von der Fotografie und Gestaltung geprägt. So startete ich nach meiner Ausbildung erfolgreich den berühmten Versuch, das Hobby zum Beruf zu machen. Als Mediengestalterin begann ich selbstständig zu arbeiten und auch jetzt noch nehme ich als Digital Nomade immer wieder kleine und große Aufträge entgegen.

 

Parallel zur Arbeit beschloss ich mich weiter zu bilden und begann ein Studium im Medienwesen. Hobby und Zeit in der Natur blieben dann aber zunehmend mehr auf der Strecke, ebenso wie meine Vierbeiner. Außerdem merkte ich, wie sehr ich mich immer mehr nach der Ruhe inmitten von Wiesen und Wäldern sehnten. Im Urlaub zog es mich weiter weg von den Touristikgebieten, rein in die Natur, ans Meer und zu den Einheimischen. Weg von allem Lärm und Dreck, den die Menschen überall hinterlassen.

 

Mir war schon immer klar, dass ich in der normalen (Arbeits-) Welt nichts zu suchen habe. Denn für einen normalen Arbeitnehmer ticken die Uhren einfach anders. Aber nicht nur das ist nervig; der tägliche Alltagstrott, die einfältige Arbeit, sonntags schon wieder den Montag im Kopf zu haben, selbst nach Feierabend nicht so recht abschalten zu können und viele andere Kleinigkeiten führten dazu, dass ich zu dem Entschluss kam, etwas komplett Neues anfangen zu müssen, um glücklich zu werden.

 

Ich wusste, mit einem Studium habe ich die Möglichkeit mich weiter zu bilden, etwas zu lernen, dass mir mehr Spaß macht, um später eine bessere Chance auf einen passenderen und vielfältigeren Job zu bekommen. Doch auch während meines Studiums kam die ständige Sehnsucht nach mehr Zeit. Zeit woanders. – Für mich wurde immer klarer: Ich muss raus! Doch wohin?

 

Oft habe ich mich gefragt, was ich vom Leben will, wo ich wirklich hinwill und wo mein Platz in der Gesellschaft sein könnte. Jahre lang habe ich mich – so wie wohl auch die meisten Menschen um mich herum – von den Strömen der Zeit und meiner Erziehung führen lassen. Ich komme aus einer Familie, in der ich dazu erzogen wurden, den klassischen Weg zu gehen. Das ist absolut okay. Auch wenn dieser Weg einen gradewegs in Hamsterrad der Arbeitswelt führt, bietet er einem heutzutage doch eine Vielzahl an Möglichkeiten und Chancen. Doch nicht für mich.

 

Jahrelang habe ich davon geträumt auszusteigen, nicht einmal habe ich es gewagt. Jahrzehnte lang wurde mir vorgelebt: Es gibt nur diesen einen klassischen Weg. Vom Kindergartenkind zum Angestellten. Ein Weg ohne Abzweigungen und Trampelpfade. – Ich fing immer mehr an, diese Routenführung anzuzweifeln. Meine Sehnsüchte nach der weiten Welt wurden von Jahr zu Jahr größer und ich fragte mich schlussendlich, was mich wirklich glücklich macht. Um festzustellen: Ich weiß es nicht.

Dass ich etwas anders bin, war mich schon immer klar. Anders im Vergleich zu all diesen Menschen, die den ganzen Tag hektisch durch die Fußgängerzone wuseln, um sich dann in ein Café zu setzen um – vom Lärm der Stadt zugedröhnt – zu entspannen. Ich sehne mich nicht nach all diesem Trubel, meine schönsten Momente hatte ich stets mit meinen Hunden, wenn ich mich für Stunden in der Natur verlor.

 

Mir liegt nun einmal kaum etwas an dieser Art von Leben, ich passe nicht neben all die Hamster im Rad einer solchen Gesellschaft. Besonders die kalte Mentalität meines Heimatlandes werde ich sicherlich als Letztes vermissen, wenn sich das Heimweh breitmachen sollte. Unter all den Regeln und Vorschriften des bürokratischen Systems, geht das herzliche Miteinander leider viel zu oft unter. Sich in einem Gespräch mit einem völlig Fremden zu verlieren oder selbstlose Hilfe in einer scheinbar ausweglosen Situation zu bekommen, ist in der konsumgeprägten Gesellschaft unserer Heimat kaum denkbar.

 

Schlussendlich war es vielleicht auch der Weg ins Studium, der mir über viele Ecken all die Anreize und Inspirationen geliefert hat, die mich dazu bewegt haben, mein Leben zu hinterfragen und in ein Vanlife als Digital Nomadin zu starten. Doch den Traum vom Aussteigen hatte ich schon, seit ich im Alter von 16 Jahren das erste Mal Meerluft geschnuppert habe. Das Studium hat mir lediglich die Augen dafür geöffnet, wie viele Möglichkeiten noch vollkommen unberührt vor mir liegen.

 

Als mir bewusst wurde, dass das Unausweichliche unumgänglich ist, ging mein Ausstieg ziemlich schnell. Innerhalb eines halben Jahres machte ich kurzen Prozess, gab (fast) alles auf, was ich besaß und wurde Besitzerin eines ausgebauten Viat Ducato. Ich machte zu Geld, was sich nicht auf 12 qm unterbringen ließ und tauschte meinen festen Wohnsitz gegen das Leben als Aussteigerin im Van ein. Mit meinem beiden Vierbeinern zog ich im Frühjahr 2019 los, um die Welt zu entdecken.

 

Zu wissen, dass das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten komplett abhängig machen wie viel man im Monat verdient, bereitet auch mir noch gelegentlich etwas Angst. Nirgends daheim zu sein und dennoch überall ein Zuhause zu finden, scheint manchmal unmöglich und zählt schlussendlich trotzdem immer wieder zu den besten Erfahrungen.

 

Ich verstehe all diejenigen, welche dieselben Träume von ihrem Leben haben, sich aber auch von denselben Ängsten davon abhalten lassen, den Schritt in den Ausstieg zu wagen. Existenzangst ist eine sehr tief sitzende und absolut natürliche Angst, die jeder hat, der sich aus seinem gewohnten, von der Gesellschaft vorgelebten, Umfeld lösen will, um sich in die absolute Unsicherheit und Unabhängigkeit zu wagen. Auch ich habe diese Angst in ihrer vollen Kraft gespürt – habe mich ihr aber gestellt!