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2. Etappe: Ein Alp-Traum

Nature.Impulse - Bayerische Alpen

Nach einigen gemütlichen Touren zu Beginn unseres Roadtrips haben wir uns diese Woche an ein paar anspruchsvollere Wanderungen gewagt. Wir wollten etwas höher hinaus und auch mal in den Genuss dieser wunderschönen Aussicht kommen, die man von den Gipfeln der Berge aus hat. Unsere letzte Tour war als circa 7 Stunden lang, mittelschwer, am Wasser, für Anfänger geeignet und sogar mit Kindern gut machbar deklariert. „Perfekt für uns und die Vierbeiner“, dachten wir uns vor einigen Tagen noch. Dann starteten wir die Tour.

 

Um neun Uhr morgens machten wir uns – zugegeben etwas spät – auf den Weg nach oben. Es versprach wieder ein ziemlich heißer Tag zu werden und so rechneten wir auf die Dauer von sieben Stunden noch zwei Stunden für gemütliche Pausen drauf . Somit war der Plan um 18 Uhr wieder am Wagen zu sein. Etwas anspruchsvoll schien die Tour zuwerden, sicher, aber mit unserem Puffer sollte es uns doch gut möglich sein vor Anbruch der Dämmerung zurück zu sein – dachten wir zumindest.

 

Zu Beginn ging es schön schattig durch den Wald. Die Hunde konnten schnuppern und Müsly flitzte gespannt die Wege auf und ab. Nach kurzer Zeit aber wurde der Weg steiler und die Bäume, sowie der federnde Waldboden, verschwanden. Vor uns eröffnete sich ein Felsenmeer. Fast schon kletternd arbeiteten wir uns über vier Stunden durch das Geröll. Es war kein Ende in Sicht und auch keine Gerade, die einem etwas Abwechslung bieten konnte. Zu Beginn noch flitzen die Hunde freudig über die Steine, doch nach mehreren Stunden verging auch ihnen die Lust daran. Als sich irgendwann wieder vereinzelt Bäume blicken ließen und eine Art Grasweg eine Gerade einläutete, freuten sich die Hunde, doch uns wurde klar: Wir waren noch nicht einmal über den Baumgrenzen. Fast die Hälfte der Zeit sollten wir demnächst doch hinter uns haben und es war noch kein Gipfel in Sicht. Es dauerte noch einmal zwei Stunden, bis wir es endlich über die Baumkronen geschafft hatten und die Berge erkennen konnten.

 

Nach über sechs Stunden Aufstieg hatten wir kaum noch Wasser für uns und die Hunde – Wo blieben die beschriebenen Wasserstellen? Umkehren war aber keine Option für uns (machte auch wenig Sinn), deshalb ging es weiter durch die siedende Hitze. Bevor wir unterhalb des Gipfelkreuzes den Weg Richtung Tal einschlagen konnten, tat sich vor uns ein kleiner Engpass auf. Der Pfad wurde nach wenigen Metern so schmal und auf beiden Seiten derart steil abfallend – ohne Sicherungsmöglichkeit – dass wir schon etwas anfingen, um das Leben der Hunde zu bangen. Dieser Weg soll für Anfänger und Kinder geeignet sein?

 

Als wir dann auch noch aus dem Augenwinkel mitbekamen, wie der Himmel hinter uns zuzog und wir auch noch ein Grummeln aus den Wolken wahrnehmen konnten, hatten wir schließlich genug. So hatten wir uns ein schattiges Plätzchen nicht vorgestellt. Unwetter war auch keines vorhergesagt worden, doch wir legten noch einen Gang zu. Die Aussicht war überragend, die Stimmung hingegen hatte ihren Tiefpunkt erreicht. Wir liefen einsam und alleine immer weiter berghoch bei zunehmendem Donner und dunkler zuziehenden Wolken. Allesamt hatten wir kein Interesse mehr ans Gipfelkreuz zu klettern, sondern wollten einfach nur noch den Abstiegspunkt erreichen und runter. Das letzte Wasser gaben wir schließlich den Hunden und hofften inständig, dass sie die Anstrengungen gut überstehen würden.

 

Es muss kurz vor sechs Uhr gewesen sein – wir waren seit 9 Stunden unterwegs – als der Himmel langsam wieder aufzog und wir uns über einen begrasten Pfad bergabwärts bewegten konnten. Das Gewitter hatte ich kommentarlos wieder verzogen und auch die einzige Wasserstelle weit und breit tauchte endlich vor uns auf: Ein Talsee. Nach einer weiteren Stunde bergabwärts hatten wir das kühle Nass so gut wie erreicht, als wir an eine Gabelung kamen. Rechts ging es eine knappe halbe Stunde weiter zum Ufer des Sees und links tat sich der vierstündige Weg weiter hinunter ins Tal zu unserem Parkplatz auf. Dazwischen war noch eine Berghütte ausgeschildert. Im Wissen darüber, dass wir nun zweifelsfrei in die Dämmerung kamen, fiel die Entscheidung nicht schwer den lang ersehnten See unberührt hinter uns zu lassen, in der Berghütte rasch die Wasservorräte aufzufüllen, uns alle etwas abzukühlen und uns dann zügig weiter auf den Weg bergab zu machen.

 

Nach einer endlos erscheinenden Ewigkeit kamen wir um 22 Uhr – nach fast 30 Kilometern und über 1500 zurückgelegten Höhenmetern – schließlich am Auto an. Wir haben festgestellt, dass das Wandern in alpinem Gelände nicht ganz so ideal für uns und die Hunde ist. Der Spaß und Genuss in der Natur zu sein, blieb für uns deutlich auf der Strecke. Mit so einer Tour hatten wir wirklich nicht gerechnet und nun erst mal beschlossen einen Tag Pause einzulegen.

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