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Die ersten Schritte Richtung Vanlife

Nature.Impulse - Korny beim Camping auf dem Balkon

Es ist jetzt 2 Monate her seit wir angefangen haben auszuräumen, auszumisten und alles aus dem Haus zu schmeißen, dass wir schon viel zu lange haben, aber eigentlich gar nicht brauchen. Immer wieder motivieren lassen haben wir uns von dem tollen deutschen Lied „Leichtes Gepäck“ von Silbermond. Wir haben uns das Lied beinahe wörtlich zu Herzen genommen, gerne kann hier auch mal reingehört werden.

 

Vor einiger Zeit schon haben wir angefangen all unsere Möbel auf Ebay Kleinanzeigen und den Marketplace von Facebook zum Verkauf anzubieten. Auch alles andere an Kleingruscht, für den man noch ein paar Euro bekommen könnte und der sich gut verschicken lässt, haben wir in Ebay reingestellt. Erfahrungen als Verkäufer hatten wir bis dato noch keine und somit war der erste Kontakt mit vermeidlichen Interessenten am Anfang sehr spannend für uns. Als das erste Set Teelichtgläser auf Ebay verkauft wurde und auch noch sofort bezahlt, stellten wir erschreckend fest: Wir haben gar keinen Karton um sie zu verschicken! Nach über 2 Monaten haben wir nun den Dreh raus und beginnen alle paar Wochen in den Nächten vor der Abholung des Altpapiers unsere Abendrunden – gemütlich und unauffällig gekleidet – durchs Wohngebiet zu drehen.

 

Es ist so einiges die letzten Wochen komplett anders gekommen, wie wir es uns vorgestellt oder eingeplant hatten: Natürlich wird die Couch verkauft, bevor der Fernseher weg ist und es will immer jeder den Schrank haben, der gerade als Ablage dient. Was wir überhaupt nicht mehr brauchen, will seit Wochen auch keiner haben und was wir gerne bis zum Schluss noch behalten möchten – wie Kühlschrank und Herd – will jeder sofort dazuhaben. Viele Menschen, die Interesse hatten, wollten uns nur runterhandeln, um die Sachen weiter zu verkaufen. Auch unzählige andere, ernst wirkende Interessenten, sprangen spontan ab und gaben nicht einmal Bescheid.

 

Dennoch, nach 8 Wochen sind nun nicht nur so gut wie alle Nerven aufgebraucht, sondern auch alle Möbel verkauft. So gut wie alles, was wir noch besitzen, steht auf dem Boden. Auch wenn wir noch längst kein Vanlife führen, verbringen wir die meiste Zeit mittlerweile in unseren Campingstühlen an unserem kleinen Campingtisch auf dem Balkon. Wir planen und organisieren, sprechen unsere Termine durch und fragen uns, was wir noch vergessen haben könnten. Zum Glück ist noch erstaunlich gutes Wetter für Anfang Oktober, auch wenn wir es kaum nutzen, da unsere Gedanken ganz wo anders sind. Wir haben so viel im Kopf, wollen so viel erledigen – von Entspannung ist weit und breit schon seit einiger Zeit nichts mehr zu sehen. Auch ausgemistet haben wir mehr als fleißig, wenngleich es immer noch viel zu viel aussieht für die wenigen Quadratmeter, die wir im Van haben werden.

 

Es ist ein sehr befreiendes Gefühl sich von allem zu lösen, dass nach einigen Überlegungen eigentlich garnichtmehr wirklich gebraucht wird. Einiges davon ist ohne Umweg in der Tonne gelandet, vieles haben wir aber auch gespendet. Die Angst davor, man könnte es vielleicht doch noch gebrauchen oder vermissen entwickelte jeder von uns bei anderen Dingen. Wir haben durch diesen Prozess die letzten Wochen sehr schnell gemerkt, was uns wirklich am Herzen liegt. Von einigem löst man sich dennoch, aber so ein, zwei kleine Erinnerungen hat auch jeder von uns heimlich auf den „behalten“-Stapel gepackt. Für uns stellte das Ausmisten zudem auch einen sehr reflektierenden Prozess dar und hat uns in unserer Einstellung dem Minimalismus sehr nahe gebracht. Immer wieder haben wir unsere Meinung über das Notwendige überdacht und angepasst. Wie viel Platz der Van dann schlussendlich bietet und auf was dann noch alles auf Grund von Platzmangel verzichtet werden muss, bleibt nach wie vor für uns kaum abschätzbar und die große, spannende Frage. Natürlich stresst all diese Unwissenheit auch ein wenig und gibt das Gefühl in den Fäden zu hängen. Doch weitaus schlimmer als die materielle Umstellung war für uns alle vier der Kontakt mit all den fremden Menschen.

 

Durch das ständige Geräume und die vielen Interessenten, die fast täglich durch unsere Wohnung gelaufen sind, sind sowohl wir als auch die Hunde mittlerweile nicht mehr ganz so ausgeglichen. Alles in allem ist die Stimmung seit einiger Zeit schon nicht mehr ganz so positiv und enthusiastisch wie noch vor einigen Wochen. Oft kommt der Moment, in dem man einfach nur mitten ins Nirgendwo, will ohne eine einzige Menschenseele um sich zu haben. Auch wenn sich Wenige sehr nette Bekanntschaften die letzten Wochen ergeben haben, war die Mehrheit der Kontakte, die wir hatten anstrengend, nervenaufreibend und in stark gebrochenem Deutsch. Wir haben drei Kreuze gemacht, als das letzte Möbelstück letzte Woche verkauft und abgeholt war. Nun sehen wir auch so langsam wieder die Vorteile darin, dass alles erheblich schneller ging als geplant. Zudem sind auch einige Euro mehr als gedacht durch den Verkauf unserer Möbel zusammengekommen. Mittlerweile spielen wir mit dem Gedanken, uns noch dieses Jahr unser neues Zuhause auf vier Rädern zuzulegen. Dann kann auch endlich die Wohnung gekündigt werden. Da wir uns dazu entschieden haben, dass wir einen gebrauchten Wagen haben wollen, der nach dem Sommer aus der Vermietung geht, ist der Herbst zum Kauf dafür auch die perfekte Jahreszeit.

 

Auch die Hunde sind sicherlich froh, wenn das Chaos in der Wohnung ein Ende hat. Sie wissen natürlich nicht, was auf sie zukommt, doch sie spüren zweifelsfrei seit Wochen unsere Anspannung und nehmen die Veränderung wahr. Der Stress wirkt sich mittlerweile auf uns alle Vier aus und es wird Zeit, dass wir den nächsten Schritt gehen.

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