· 

Kleine Kurskorrektur im Lebensplan

Nature.Impulse - Korny und Jens laufen gemeinsam durch den Wald

Nachdem unsere Wohnung so überraschend schnell leer war, wurde es für uns langsam Zeit, dass wir uns um unser neues Zuhause kümmerten. Zu diesem Zeitpunkt stellte weniger die Frage ‘ Welchen Wagen wollen wir‘ ein Problem dar, als vielmehr all die neuen Gedanken, die sich in uns geregt hatten. Schon vor einigen Wochen begannen sich ein paar undefinierbare, ungute Gefühle zusammen mit einigen Zweifeln vor uns aufzutun, die sich bisweilen noch nicht gezeigt hatten. Logisch, dachten wir. Schließlich verkauften wir immer mehr unseres Hab und Guts und reduzierten unseren Besitz immer weiter auf einen kleinen Haufen von Sachen, welche sich in der zunehmend kälter und ungemütlicher werdenden Wohnung häuften. Doch da war noch etwas anderes. Wir haben viel über uns und unseren verrückten Traum geredet und nachgedacht. Für uns steht fest: Wir wollen ein Vanlife als Nomaden!

 

Aber im Camper leben und nebenher studieren? – Das fühlte sich komisch an. Immer mehr merkten wir, wie das Studium für uns unwichtig wurde und der Wunsch los zu reisen unsagbar stark. Wir wollen nicht die nächsten 2 Jahre im Camper leben und an einem Ort bleiben, bis wir mit unserem Studium fertig sind. Nein. So tat sich uns schließlich der Gedanke an etwas doch sehr verwegenes und in unserer Leistungsgesellschaft negativ belastetet auf: Wir begannen mit dem Gedanken zu spielen unser Studium zu pausieren. Der Mehrwert des Studierens war angesichts der Erfüllung eines derart großen Traumes zunehmend gesunken. Zwar studierten wir sehr gerne, taten dies aber aus reinem Interesse an den Vorträgen und Spaß an den Projekten und nicht nur um beruflich einmal besser aufgestellt zu sein. Und als wir uns entschlossen nur eine der beiden Optionen zu wählen, viel bei uns Beiden die Entscheidung auf das Reisen. Denn es war nicht das Leben im Van, dass uns ein unangenehmes Gefühl bereitete, sondern die Tatsache, dies nicht an den schönsten Stellen der Erde, sondern auf dem Hinterhof der Uni zu tun.

 

Zudem ist es so, dass wir erstmal nicht in einem Unternehmen in möglichst guter Position arbeiten wollen – vor allem Jess, seit sie sich Selbstständig gemacht hat vor 4 Jahren – sondern wir wollen unser Geld selbst verdienen. Wir wollen versuchen es uns selbst zu erarbeiten und dabei weitgehend unabhängig zu sein. Ein solches Geschäft wollen wir uns aufbauen und dann natürlich ortsunabhängig ausüben. So können wir uns unseren Traum als Dauerreisende im Van zu leben auf lange Sicht auch tatsächlich verwirklichen. Doch nur weil wir diesen Traum haben, erfüllt er uns aber nicht ausschließlich mit guten Gedanken.

 

Zu wissen, dass das eigenen Könne und die Fähigkeiten komplett abhängig machen wie viel man im Monat verdient, man kein geregeltes Einkommen hat und dieses – unabhängig vom Können bei schlechter Arbeitslage – auch mal ein paar Monate ganz ausbleiben kann, bereitet auch uns eine Heidenangst. Wir verstehen all diejenigen, welche dieselben Träume von ihrem Leben haben wie wir, sich aber von eben diese Angst davon abhalten lassen, sich ihre Wünsche zu erfüllen. Existenzangst ist eine sehr tiefsitzende und absolut natürliche Angst, die jeder hat, der sich aus seinem gewohnten, von der Gesellschaft vorgelebten, Umfeld lösen will um sich in die absolute Unsicherheit und Unabhängigkeit zu wagen. Auch wir spüren diese Angst in ihrer vollen Kraft und wollen uns ihr aber stellen!

 

Wir haben also diese verrückte Idee vom Vanlife, vor allem Jess, die das Fernweh beinahe täglich quält. Sie will seit sie denken kann reisen, die Welt sehen und etwas Erleben auf diesem einzigartigen Planeten. Doch ebenso musste sie sich auch ihr Leben lang schon anhören, wie schwachsinnig es ist so einen Traum wahrwerden zu lassen – deshalb sei es ja auch nur ein Traum. Sie sollte eine sinnvolle Ausbildung machen, sich nach einem guten Job umschauen und endlich erwachsen werden. Viel zu lange hatte sie sich von all diesen Stimmen einschüchtern lassen, doch aufgehört zu träumen hatte sie deshalb nie. Und nun ist es für uns an der Zeit, unsere Träume wahrwerden zu lassen!

 

Wir haben uns also dazu entschieden ab dem nächsten Jahr nicht weiter zu studieren und das Jahr 2019 mit einem Kopfsprung ins herrlich warme Wasser unserer Träume zu beginnen. Zugegeben, es wird vermutlich etwas kalt werden zu beginn, doch dann starten wir einfach so weit in den Süden wie es nur geht. Unsere Entscheidung steht schon eine Weile fest und auch die Suche nach einem neuen Zuhause haben wir einstimmig beendet mit dem Kauf eines Vans. Nun heisst es auf Wiedersehen sagen. Von allen Freunden und Bekannten, Nachbarn und Vereinskollegen heißt es nun Abschied nehmen. Wir lösen uns von allem was wir kennen und wagen uns in das vollkommen Unbekannte. Die leere Wohnung hat uns zwar einiges an Taschengeld beschert uns aber auch motiviert nun zügig auszuziehen. Wir nennen uns nun schon seit ein paar Tagen stolze Besitzer eines Viat Ducato mit einem Ausbau von Weinsberg. Da wir den Wagen zudem mit einigen Sonderwünschen zum autarken stehen etwas aufgetuned bekommen haben, nennen wir den 3.5 Tonner bereits liebevoll "Tueny".

 

Los in fremde Länder geht es aber leider so schnell noch nicht. Denn die Herausforderungen, die sich uns noch unerwartete gestellt haben und all die Probleme, die sich uns die letzten Tage plötzlich aufgetan haben, haben uns leider die erste Vorfreunde wieder komplett zertrampelt und uns dazu gezwungen im Lande zu bleiben und uns noch etwas mit Reperaturen und Ausbesserungen herumzuärgern.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0