· 

Der Echtzeitgeocache: „SOKO-Schwarzwaldmarie“

- Ein Tag lang Detektiv sein als Geocacher im Schwarzwald

Nature.Impulse - Müsly & Korny

„Wir brauchen die Tatwaffe! Die muss da sein … irgendwo!“

„Wir suchen ja schon jeden Zentimeter ab! Hier ist aber nichts!“

„Ihr habt noch 82 Sekunden, dann ist ALLES vorbei! Jetzt macht schon!“

„Wir tun ja schon alles was wir können aber … Halt! Halt! Wir haben sie! Hier ist sie!“

 

Kurz nach unserem Umzug in den Schwarzwald nahmen wir uns der Herausforderung unseres ersten Echtzeitgeocaches an. Eine Art von geocachen im Team, die mit keinem Geocache zu vergleichen ist den wir bis dato gemacht haben. Unterhaltungen wie die obige hätten wir uns nie bei einem Geocache vorstellen können, sie waren aber nach den ersten Stunden dieses Echtzeitcaches bereits normale Tagesordnung für uns geworden. Nach einem vollen Tag mit zehn Stunden Detektiv spielen und einem ständigen Wettlauf gegen die Zeit, hatten wir zwar ein paar Nerven weniger, dafür aber unbezahlbare Erinnerungen und Erfahrungen mehr.

 

Echtzeitgeocaches sind eine ganz besondere Art von Geocaching, für die es auch kein eigenes Icon gibt. EZCs können als Multis, Mysterys, Wherigos oder andere Cachetypen getarnt sein. Dahinter versteckt sich aber immer eine ganz besondere Art zu cachen – nämlich auf Zeit. Es gibt die verschiedensten Ausführungen von Echtzeitgeocaches, sie sind weder mit einer allgemeingültige Definition von Groundspeak versehen, noch gibt es eine direkte Suchmöglichkeit für Echtzeitgeocaches. Dafür aber eine Handvoll gut sortierter Bookmarklisten.

 

Kernpunkt ist bei jedem Echtzeitgeocache, dass irgendeine Aufgabe zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Zeit gelöst werden muss, um an das Finale zu kommen. Die Aufgaben und Fragen bei EZCs – welche man lösen muss – werden zum Beispiel auf einer Webseite eingegeben, um zur nächsten Stage zu gelangen. Die Eingabe auf den Webseiten kann aber immer nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters erfolgen, was dem Ganzen den gewissen Kick gibt. Denn wer nicht schnell genug ist, fliegt ganz schnell raus.

 

Bei dem Echtzeitcache der SOKO-Schwarzwaldmarie – in der Nähe von Offenburg im Schwarzwald – wird empfohlen im Team zu arbeiten, sich also sein eigenes kleines Sonderkommando zusammenzustellen. Eine genaue Teamgröße wird nicht vorgegeben, man kann sich aber aus den Logs eine sinnvolle Größenvorstellungen herleiten. Bei anderen Echtzeitcaches hingegen ist eine gewisse Mindestgröße des Teams vorgeschrieben um überhaupt erst spielen zu können, da so viele Sachen gleichzeitig gemacht werden müssen. Auch wir haben uns schließlich bei unserem ersten EZC eine tolle Truppe von Cachern zusammengesucht. Bunt gemischt waren wir 6 Männer und Frauen im Außendienst sowie 6 im Innendienst. Wenngleich wir unsere damalige Wohnung in Offenburg als Innenteamzentrale für den Echtzeitcache bereitgestellt haben, muss das Innenteam nicht vor Ort sein um mitspielen zu können. Von überall aus – mit einem stabilen Internetzugang – kann eine Gruppe von Geocachern das Innenteam bilden. So war unsere SOKO also mit ausreichend Laptops und WLAN im Hauptquartier sowie umfangreicher Cacherausrüstung und zwei mobilen Untersätzen des Teams im Außeneinsatz, mehr als nur bereit die vermisste Schwarzwaldmarie im Harmersbachtal, Nordrachtal und über die Berge, aufzuspüren. Mit einer D/T- Wertung von 5/4 kann man diese Trilogie, bestehend aus 3 Mysterys, durchaus als anspruchsvoll ansehen.

 

Die liebe Marie – mit ihrem schicken roten Bollenhut – stellt nicht nur das Wahrzeichen des Schwarzwaldes dar, sondern ist seit kurzem nämlich unauffindbar verschwunden. Keiner weiß, wo sie steckt. Die Gerüchteküche brodelt in den kleinen Dörfern nur so vor sich hin und so heißt es für das Sonderkommando also erstmal allen möglichen und unmöglichen Spuren nachzugehen. Der Tatort der vermeidlichen Entführung muss gefunden, mögliche Tatwaffen müssen sichergestellt und Zeugen müssen befragt werden.

 

Natürlich waren wir auch bei diesem EZC mit Müsly & Korny im Zentrum des Geschehens – im Außenteam! Zu sechst teilten wir uns oft in zwei dreier Teams auf und waren im ständigen Wettlauf gegen die Zeit (-fenster der Webseiten) unterwegs. Einen ganzen Tag lang durften wir uns wie Detektive fühlen und unter gewaltigem Zeitdruck die verschwundene Schwarzwaldmarie zusammen mit unserem Team aufspüren. Lediglich eine kurze Pause zwischen dem ersten und zweiten Teil der Echtzeitcache-Trilogie wurde uns gegönnt, bevor es weiter ging, die verschwunden Marie zu finden.

 

Während das Innenteam immer Theorien überprüfte, nebenher noch einen Badisch Kurs für Einsteiger absolvierte und mögliche Beweise auswertete, warteten wir im Außenteam gespannt und unter Hochdruck nur darauf den nächsten ausgewerteten Hinweis von den Kollegen zu bekommen. Dann erst konnten wir weiter der Spur des vermissten Mädels folgen. Als nächstes war wiederum das Innenteam mit warten dran, bis wir im Außeneinsatz neue Beweise übermittelten, die ausgewertet werden mussten. Es war ständige Kommunikation und Konzentration gefragt, um mit der – nur so davon rennenden – Zeit mithalten zu können. Zum Ende hin, wenn wir als SOKO so richtig tief in den Schwarzwald vordringen mussten – ließ auch noch der Handyempfang nach und setzte zeitweise sogar ganz aus. Bei uns waren schließlich nur noch zwei von sechs Handys empfangsbereit und als Notlösung für die Kommunikation zwischen den Autos mussten tatsächlich gute und altbewährte Walky Talkys herhalten.

 

Als wir aber kurz davor waren den letzten Teil der Echtzeitgeocache-Trilogie anzutreten und die Marie endlich aufzuspüren, wurden wir vor ein unlösbares Problem gestellt. Ein zu suchender Hinweis ließ sich nicht blicken und wurde – wie sich später herausstellte – auch tatsächlich entwendet. So konnten wir das Zeitfenster zum Einreichen der Lösung nicht einhalten und wurden aus dem Spiel geworfen. Wir wollten schon abbrechen und die Heimreise antreten, als uns die Owner verständnisvoll zurück ins Spiel brachten. Somit konnten wir uns schließlich dem letzten Teil der Trilogie stellen, als Sonderkommando unsere Mission erfolgreich abschließen und die arme Schwarzwaldmarie wieder sicher nach Hause bringen.

 

Nach einem langen Tag voller Spannung, Spaß und Adrenalin, bekamen wir ein mehr als nur zufriedenstellendes Finale zu sehen. Einige aus dem Innenteam haben es sich nicht nehmen lassen auch zum Finale zu kommen und sogar die Owner haben sich noch blicken lassen. So ließen wir also einen Tag voller Hektik und Stress bei einem netten Plausch – ganz ohne Zeitdruck – ausklingen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0