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Der Van ist da! Und mit ihm jede Menge Ärger...

Nature.Impulse - Müsly & Korny in unserem Van

Dieser Moment, wenn der Händler einem die Schlüssel gibt und er endlich dir gehört. Dein neuer Wagen, dein neues Zuhause, dein neues Leben. Kennt ihr diesen Moment? – Wir nicht!

 

Wir haben genug Artikel über diesen einen magischen Moment – in dem alle Träume wahr werden – gelesen und fanden es ist an der Zeit die große Blase auch einmal platzen zu lassen, denn bei uns lief das Alles etwas anders ab.

 

Zum selber Ausbauen hatten wir weder die Zeit noch den Ort oder das Talent, also war klar, es soll ein Fertiger sein. Für einen Wagen entschieden hatten wir uns dann relativ schnell. Durch unsere selbst gesetzte finanzielle Grenze kam ein Fiat Ducato mit Ausbau Weinsberg gerade noch so in Frage. Baujahr hätte – wenn es nach uns geht – ruhig auch 2015 oder noch etwas älter sein können. Wir wollten aber keinen Kauf von Privat machen und durchs abklappern einiger Händler erfuhren wir dann ziemlich schnell, dass „die Wagen weggehen wie warme Semmeln“ und wir keinen Van von Händlern aus unserer Gegend bekommen, der älter ist als ein Jahr.

 

Ein weiterer wichtiger Grund für uns bei einem Händler zu kaufen war, dass dieser uns noch ein paar Sonderwünsche in der Ausstattung erfüllen kann. Dazu gehörten unter anderem ein paar leistungsstarke Solarpanel auf dem Dach, sowie ein Dachträger für unsere Dachbox. Außerdem wollten wir entsprechende Aufbaubatterien, welche den erzeugten Strom der Panels speichern können und einen großen Gastank, der es uns ermöglicht zum Heizen und Kochen auf Autogas zurückzugreifen, anstelle der nervigen Gasflaschen. Des Weiteren hielten wir eine Rückfahrkamera mit entsprechendem Bildschirm und ein Set zusätzlicher Sicherheitsschlösser an allen Türen für sinnvoll. Den Wunsch einer Trockentrenntoilette anstelle der elenden Chemieschleuder wollten wir uns auch noch erfüllen und zu guter Letzt wollten wir zudem einen 230 V Konverter, der leider nicht im Standartausbau mit inbegriffen ist. Auch wenn Jens als Mechatroniker viel Ahnung mit der Technik hat, hatten wir keinerlei direkte Erfahrung in irgendeinem der Punkte. Wir haben uns lediglich jede Menge in die Materie eingelesen und dadurch entschieden, was wir noch brauchen könnten.

 

Wie lange es dauerte allein nur einen Händler zu finden, der sich überhaupt in der Lage fühlte uns diese Wünsche zu erfüllen – und natürlich Garantie auf den Umbau zu geben – hätten wir nie gedacht. Doch es war nicht unmöglich. Schlussendlich lernten wir einen Caravan-Händler kennen, der seine ein Jahr alten Weinsberg Ducatos im Herbst aus der Vermietung nahm, zum Verkauf anbot und uns zusagte unsere Wünsche verwirklichen zu können. Leider fing aber damit der Ärger erst an: Es dauerte Wochen, bis wir uns auf einen Preis einigten, der wenigstens ansatzweise in unserem Budget lag. Ohne Jens wäre das sicher nie etwas geworden. Denn der Händler stellte Wucherpreise ohne Ende auf und wollte uns von hinten bis vorne übers Ohr hauen. Erst als Jens mit seinem Wissen als Mechatroniker dem Herrn die Stirn bot, kamen wir in angemessenere Preisverhältnisse.

 

Obwohl der Wagen eine große, tiefe Schramme in der Türe hatte, die bis zur Abholung ausgebessert sein sollte, machten wir uns um den ein Jahr alten Fiat keine sorgen. Da der Wagen Baujahr 2017 ist und auch noch vom Werk Garantie hat, hatten wir keine Bedenken Wagen-Technisch hinters Licht geführt zu werden, doch in allen anderen Punkten ließ unser Vertrauen in den Händler zunehmend nach. In vielerlei Hinsicht dachten wir uns nach der wochenlangen Odyssee mit dem Händler nun schließlich, dass ein Kauf von Privat oder gar ein Selbstausbau im Nachhinein nicht riskanter oder langwieriger geworden wäre.

 

Denn, die Einbaufristen zögerten sich hinaus und trotz vereinbartem Festpreis entstanden immer mehr unvorhergesehene Kosten. Zudem ging der Händler kaum ans Telefon für Rücksprachen. Auch wenn Jens durch sein Fachwissen und viel Eigenrecherche immer zu dem Ergebnis kam, dass die vom Händler neu angeforderten Umbauten notwendig und die Preise dazu – nach einigen Diskussionen – auch legitimer Standard waren, regten wir uns natürlich auf. Der Händler war einfach nicht in der Lage die Gesamtkosten der einzelnen Umbauten richtig einzuschätzen und auf der Rechnung korrekt zu kalkulieren. Nur auf Nachfrage gab er stets zu, dass er sich verschätzt hatte.

 

Ein ganz besonders großes Manko stellte dabei auch die Toilette dar, mit der sich der Händler maßlos überschätzte und welche er zum Schluss auch nicht umbaute sondern uns die geplanten Kosten erließ. Der Hauptgrund, weshalb wir uns für diesen Händler entschieden und nicht für einen anderen, waren seine von ihm angepriesenen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Trockentrenntoilette. Schlussendlich war dies der einzige Posten, auf dem wir Wort wörtlich sitzen blieben.

 

Als dann endlich der Tag der Abholung da war, fehlten immer noch Sachen, die anscheinend Lieferschwierigkeiten machten – unter anderem das Gas-TÜV-Siegel mit Papieren– und wir hatten eine Chemieschleuder als Toilette. Nach wochenlangem diskutieren und stundenlangem verhandeln noch bevor wir den Wagen überhaupt fertig ausgebaut sehen konnten, war unsere Vorfreude deutlich geschmälert. Das ständige prüfen der Aussagen des Händlers auf seine Richtigkeit sowie das permanente Überteuern aller Angebote von Seiten des Händlers, die man in stundenlangen Gesprächen runterhandeln musste, stellte am Anfang vielleicht noch eine interessante Herausforderung dar, war nach all den Wochen aber schlussendlich nur noch mühseliger Kampf gegen Windmühlen. Der Händler behinderte unseren Plan durch sein Verhalten derart, dass wir bei der Abholung des Wagens absolut keine Nerven mehr übrig hatten um uns auch nur eine weitere Stunde länger mit ihm rumzuärgern. Doch es sollte noch eine Einweisung von circa zwei Stunden stattfinden, von der wir uns erhofften alles Wichtige über den Wagen und die Funktionsweise des Innenausbaus zu erfahren. Es schien dann allerdings so, als ob auch der Händler nur noch wenig Lust auf uns hatte, denn er verzichtete quasi so gut wie komplett auf die Einweisung und übergab uns die Schlüssel nach einem schnellen Check von kaum zehn Minuten. So nahmen wir unseren Wagen doch überraschend schnell – und auch etwas froh darüber – entgegen und fuhren Heim.

 

Erst einige Tage nach diesem nervenaufreibenden Ereignis – welches den Kauf unseres Vans darstellte – bemerkten wir, dass die tiefe Schramme in der Beifahrertüre, nicht wie beim ersten Treffen besprochen, ausgebessert wurde. Außerdem funktionierte der 230 V Konverter ebenso wenig wie einer der beiden Lautsprecher des Wagens. Auch die Schiebtüre hielt durch die angebrachten zusätzlichen Sicherheitsschlösser nicht mehr in der Arretierung und einer der Seitenspiegel ließ sich nicht verstellen.

 

In der knapp zehn minütigen Einweisung des Händlers hatte er kein Wort darüber verloren, dass wir vor dem ersten tanken die Überlaufhähne von Frischwassertank und Boiler schließen müssen. Auch davon, dass wir zum Aufladen der Batterien ein spezielles Stromkabel benötigen, hat der Händler kein Wort verloren. Wir wünschten uns schnell, am Tag der Abholung doch die Nerven gehabt zu haben um auf die volle Einweisung zu bestehen. Doch auch von Seiten des Fachhändlers hätte eine bessere Aufklärung stattfinden müssen. Mehrfach informierte er uns darüber, wie wichtig ein Thermoschutz vor der Windschutzscheibe und Sicherheitsschlösser an allen Türen seien, klärte uns aber über die Inbetriebnahme des Wagens mit Wasser, Gas und Strom kaum auf. Als komplette Leien auf dem Gebiet hatten wir vom Händler nicht wie erhofft irgendeine Art der Aufklärung, Unterstützung oder gar Hilfe bekommen.

 

Wir verbrachten also die letzten Tage und Wochen damit die Gebrauchsanweisung des Wagens und seinem Ausbau kennen zu lernen. Mittlerweile haben wir erneut einiges an Zeit und Nerven gegen umfangreiches Wissen über den Wagen eingetauscht und bei vielen Kleinigkeiten selbst handangelegt. Doch beinahe jeden Tag kamen neue Überraschungen dazu, die uns den Spaß am Kennenlernen des Vans und unseres neuen Alltages komplett verdorben haben.

 

So stellten wir weiterhin fest, dass unser Wassertank, der laut Handbuch 110 Liter fassen sollte, gerademal die Hälfte wiedergibt. Außerdem funktionierten die Anzeigen für den Strom und Wasserverbrauch nicht korrekt. Es war alle paar Tage ein Ratespiel, wann der Strom ausgeht, der Abwassertank voll oder das Frischwasser leer ist. Die entsprechenden LED’s dafür leuchteten einfach nicht auf. Auch beim Kochen haben wir schnell entdeckt, dass die Isolierungen der Gasplattenhalterungen eingerissen sind und somit das Wasser beim Geschirrspülen – von welchem unausweichlich immer etwas daneben spritz – schnell durch die undichten Stellen in die darunterliegende Schublade läuft.

 

Unsere erste große Sorge, dass wir nicht wissen, wann uns das Gas ausgeht, blieb hingegen komplett unbegründet. Entgegen der Meinung des Händlers, dass wir unbedingt Anzeigen an den Gastanks installieren müssen, war für diese kein Budget mehr übrig. Die Installation solcher Anzeigen hätte laut Händler wieder Kosten von mehreren hundert Euro bedeutet und somit haben wir uns mutig erstmal dagegen entschieden. Nach ein paar Tagen merkten wir dann beim ersten Tanken – durch Zufall – dass an den Tanks bereits standardmäßig Anzeigen vorhanden sind und wir uns somit vollkommen richtig gegen weitere Anzeigen entschieden hatten. Das Vertrauen in den Händler wurde dadurch aber nicht wirklich vergrößert.

 

Auch in vielen weiteren Punkten versuchte der Händler uns in anstrengenden Gesprächen teurere Elemente aufs Auge zudrücken – die absolut nicht notwendig für uns waren – und verschwieg uns dabei für uns elementar wichtige Informationen. Obwohl er wusste, dass wir mit dem Wagen komplett autark über mehrere Jahre eine Weltreise vorhaben, machte er uns kein einziges Mal auf die Winkel der Panels aufmerksam. Denn durch die waagrechte Montage der Solarpanels, produzieren diese nun viel weniger Strom – auf den wir absolut angewiesen sind – als in einer leichten Neigung zur tiefen Wintersonne. Einer der größten Unterschiede zwischen uns und den meisten Urlaubern, die einen solchen Wagen mieten oder kaufen, stellt unser autarkes Leben da. Urlauber, die sich im Hochsommer auf einem Campingplatz nach dem anderen einnisten um nach 14 Tagen wieder nach Hause zu reisen, sind in der Regel auf eine leistungsmaximierende Anbringung der Panels für die Wintermonate nicht angewiesen. Dadurch, dass wir mit unserem Van aber das ganze Jahr komplett autark stehen wollen, ist es für unser Leben absolut notwendig, eigenen, leistungsmaximierten Strom produzieren zu können.

 

Nicht nur, dass der Fachhändler uns nicht richtig infomierte, einige Umbauten und Erweiterungen machte er auch einfach freischnauze und nicht wie vereinbart oder ohne Rücksprache. Die Chemietoilette baute Jens schlussendlich selbst aus und tüftelte mit seinem ganzen Talent eine Trockentrenntoilette zusammen. Auch wenn der Händler nun im Winter alle von uns aufgeführten Mängel beheben will, haben wir einen riesen Ärger damit und viele unnötige Kosten, da wir uns dennoch haben einiges aufschwatzen lassen, wogegen wir uns noch mehr hätten wehren sollen. Zudem zögert sich nun auch unser gesamter Plan unnötigerweise hinaus.

 

Wir hoffen nun aber erstmal, dass die ganzen Ausbesserungen wie versprochen reibungslos vom Händler durchgeführt werden. Doch die verschwendeten Nerven und die Zeit, kann uns keiner mehr zurückgeben. Wir haben jetzt erstmal einen Gang zurückgeschraubt und lassen uns etwas mehr Zeit mit der Planung unserer Reise. Uns ist nun zuallererst einmal wichtig, den Händler endgültig loszuwerden um mit einem Wagen – in dem wir uns wirklich sicher und wohl fühlen können – von dannen zu ziehen. Erst dann wollen wir uns etwas erholen und ein paar neue Nerven sammeln, bevor unser großes Abenteuer losgeht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Biki (Montag, 14 Januar 2019 14:20)

    Schade, dass ihr so ein Pech mit eurem Bus hattet. Bis zum Start ist bestimmt alles halbwegs zurechtgeruckelt und er wird zu eurem Zuhause. Und was nicht passt macht man halt unterwegs passend. Alles wird unterwegs einfacher, als man so befürchtet.
    Vielleicht erinnert ihr euch an unser Treffen in Leingarten: mein Bussi ist auch quasi nie fertig und verändert sich immer wieder. Je nach Reiseziel ändern sich auch die Bedürfnisse und Möglichkeiten.

    Zu Italien, Norwegen und Schweden werdet ihr kaum Tipps brauchen. Falls doch, meldet euch. Und auch wenn es altersmäßig mit uns nicht passt: als Backup-Kontakt hier sind wir ansprechbar.

    Bin gespannt auf euren Start und euer erstes Jahr!

    https://bikisabbat.wordpress.com/ - ab 8/2020 wieder mit dem Bussi unterwegs :-)