Das zuckersüße Schlitzohr Korny

Nature.Impulse - Müsly & Korny

Seit nun schon über 5  Jahren gibt es den kleinen Korny. Er war so etwas wie Müsly's kleiner Bruder. Tatsächlich war er auch als genau das gedacht. Man kann davon halten was man will, doch ich habe mir einen Zweithund aus dem Grund zugelegt, dass der Erste nicht mehr alleine ist. Vor über 5 Jahren war eine Zeit in meinem Leben, in der es Müsly sehr schwer hatte und nicht gut klarkam. Viele Monate probierte ich vieles aus, doch das Beste für Müsly - einfach nicht alleine sein zu müssen - war für mich leider unmöglich zu bewerkstelligen. Dann kam mir die Idee: Mit einem zweiten Hund im Haus ist es nie wirklich leer und Müsly vielleicht nicht mehr so einsam.

 

Da die kleine Ziege sich zu diesem Zeitpunkt gerade auch erst von ihrer zweiten Bisswunde erholt hatte, war sie ziemlich misstrauisch anderen Hunden gegenüber. Sie hatte sich ein gewisses Beuteschema angeeignet, dass ziemlich gut auf das Profil ihrer Angreifer passte. Jeder Hund, der ihrer Meinung nach in dieses Schema fiel, wurde bitterböse zusammengemotzt und bekam keine Gnade. So suchte ich also einen Hund, der genau das Gegenteil war von allem, was Müsly zu diesem Zeitpunkt angriff. Es musste ein junger Hund sein – aber bloß kein Welpe – unbedingt ein Rüde, auf keinen Fall dominant, nicht aufdringlich, absolut ruhig und ausgeglichen und am Besten mit einer Aura, die all diese positiven Eigenschaften auf Müsly überträgt.

 

Ziemlich exakt das, hat sie mit Korny bekommen. Er sollte mir zuerst gar nicht vergönnt sein, denn er war bereits vermittelt. Doch durch einen unvorhersehbaren Vorfall kam er in die Vermittlung zurück und somit auch zu mir und Müsly. Die Tierschutzorganisation, die Korny in Griechenland von der Straße geholt hatte, gab mir die Möglichkeit ihn bei seiner Pflegestellen besuchen zu gehen. Tatsächlich hielt der kleine Streuner, was er auf den ersten Blick zu versprechen schien. Nach und nach half er Müsly ruhiger und gelassener zu werden, ihre Aggressionen auf Hunde ihres Beuteschemas abzulegen und mit ihrer damaligen Lebenssituation besser klarzukommen. Dafür hatte ich einen Zweithund geholt. Dafür ist Korny perfekt, ja geradezu ein Engel. Doch es ist unverkennbar: In dem Schlitzohr steckt durch und durch nur Jäger. Noch nie zuvor habe ich einen Hund erlebt, der mit einer derartigen Schmerzunempfindlichkeit und Hartnäckigkeit etwas jagt, wenn er die Chance dazu bekommt!

 

Jahrelang habe ich versucht seinen Trieb - diesen uralten Instinkt - in den Griff zu bekommen. Doch die Menschlichkeit hat mich irgendwann haltmachen lassen. Dennoch, die Fortschritte sind zweifelsfrei überragend. Oft darf Korny mittlerweile von der Leine, bei vielen Reizen die sich ihm bieten lässt er sich – durch positive Verstärkung – abrufen, doch eine Sache bleibt: Der Impuls zu hetzten, wenn sich Wild bewegt. Sehe ich einen Hasen zu spät, sieht er ein Reh vor mir, dann ist er weg.

Noch nie hat er etwas gerissen und wir werden unser Bestes geben ihn mit Vernunft und Menschlichkeit auch weiterhin so zu halten. Auch wenn er auf allen Touren durch den Wald immer an der Leine ist und stets nur kurz & kontrolliert rennen darf, so hat auch Korny eine riesen Freude daran neue Wege zu erkunden, sich auf Lichtungen zu sonnen und permanent an meiner Seite zu sein. Sicherlich vermisst auch er Müsly, sie war schließlich seine große Schwester und immer an seiner Seite. Doch seit sie weg ist, schleicht sich Korny - vor allem Nachts - leidenschaftlich gerne unter die Bettdecke, sammelt Streicheleinheiten wann immer er kann und wird - gemeinsam mit uns - auch wieder freude an einem Leben ohne Müsly finden.

Der fehlgeprägte Angsthund Tyson

Nature.Impulse - Hund Tyson

Zusammen mit Ben kamen auch seine beiden Bullies mit auf die große Reise. Wie die beiden Old English Bulldogs ihren Weg zu Ben gefunden haben ist mehr als nur ungewöhnlich. Angefangen hat vermutlich alles vor über 15 Jahren, als Ben nicht nur an einen seiner größten Tiefpunkte im Leben sondern auch - durch eine gute Freundin - auf den Hund kam. Ein Bulli-Züchter aus der Umgebung gab ihm damals die Chance sich einen Tag lang auf seinem Anwesen zu beweisen und im Gegenzug dafür einen Hund aus seinem letzten Wurf geschenkt zu bekommen. Mit kaum einem Cent in der Tasche ergriff Ben natürlich die Chance mit Unterstützung einen Hund und somit auch wieder eine Aufgabe und einen neuen Sinn im Leben  zu bekommen. Diese Lebensaufgabe hieß Kamee und begleitete Ben 15 Jahre durch dick und dünn. Sie machte ihm in jedem einzelnen Moment mit ihr klar, dass er nie mehr ohne Hunde sein möchte.

 

Als Ben sie dann schleißlich nach einem langen und glücklichen Leben bis in die Altersschwäche begleitet hatte, ließ er sie vor einigen Jahren erlösen und weiter gehen in den Himmel. Nur kurze Zeit danach war er ohne einen vierbeinigen Begleiter, denn er kontaktierte den Züchter wieder um ihn über Kamee zu informieren. Er erzählte ihm von seinem Leben mit der American Bulldog Hündin und dass er sie nun leider hat gehen lassen müssen. Daraufhin bekam er erneut die Chance auf einen Bulli, den der Züchter aus unwarscheinlich schlechter Haltung befreit hatte. Dieser Problemhund, der kaum etwas kennt, auf alles losgeht was ihm angst macht und durch eine volkommene Fehlprägung vermutlich niemals mehr sozialisert werden kann, heißt Tyson. Man kann sich nur wage vorstellen was mit diesem so treudof dreinblickenden und eigentlich total verschmusten grauen Bulli alles getrieben werden musste, um ihn zu so einem misstrauischen, verängstigten und Artgenossen gegenüber derart aggressiven Vierbeiner zu machen. Er ist ein Angsthund wie er im Buche steht und wird das vermutlich auch für immer bleiben. Bei uns soll er nun einfach nur das Recht zu Leben haben und an der Seite von Chelly alt werden.

Die ruppige Rüdin Chelly

Die schoko-weiß gefleckte Chelly ist eine Hündin des Züchters. Er bot sie Ben ebenfalls als Geschenk und  Zweithund an, damit Tyson nicht so alleine ist. Dafür möchte der Züchter sie aber auch noch ein Mal decken lassen um im Tausch für die Hündin ihre Welpen zu bekommen. Chelly ist der einzige Hund den Tyson je in sein Leben gelassen hat und vermutlich auch wird. Sie ist so etwas wie seine Mutter, Beschützerin, Aufpasserin. Keiner weiß so genau was er wirklich in ihr sieht, aber er liebt sie zweifelsfrei.

 

Dabei muss Chelly oft darunter leiden, dass Tyson sie als seine Adoptivmutter sieht. Oft muss sie bei ihm bleiben  - damit Tyson nicht alleine ist - obwohl sie viel lieber mit Kondi und uns mit gehen würde. Doch Tyson kann als Angsthund leider nur sehr selten mit uns auf Tour gehen und ist auch am glücklichsten in seinem Körbchen neben Chelly, wo ihn keiner sieht und er getrost die böse Welt hinter der Schiebetüre des Vans vergessen kann. Die gutmütige Chelly fügt sich jedoch meistens ihrem Schicksaal neben unserem liebevoll "Autist" genannten Tyson um den Tag "in Haft" mit ihm zu verbringen. Dabei ist Chelly eigentlich ein lebenshungriger Hund, der allem gegenüber neugierig und aufgeschlossen ist. Sie hat zwar auch lange Zeit im Zwinger gelebt und will von anderen Hunden meist nichts wissen, doch kommen sie ihr zu nahe macht Chelly sie sozial mit einem sanften Knurren darauf aufmerksam ihren Freiraum zu achten. Interessiert sich ein Hund nicht für sie, will sie auch nichts von ihm wissen.

 

Ganz anders als Tyson, der in jedem Lebewesen einen potenziellen Angreifer sieht, ist Chelly komplett angstfrei und in keiner Weise fehlgeprägt, wie wir es zusätzlich bei Tyson vermuten. Er agiert leider nach dem Motto: "Beisse ich dich zuerst, kannst du mich nicht mehr beissen". Warum er dieses Prinzip nicht auf Chelly anwendet ist uns ein Rätsel, doch sie bleibt seit Jahren die einzige Ausnahme seiner Regel.

 

Mit Kondi an ihrer Seite kommt Chelly nun endlich auch mal an einen normalen Vierbeiner und lernt wieder etwas mehr, was es so alles bedeutet Hund  zu sein. Sie kommt bei langen Spaziergängen mit dem Schlitzohr an viele andere Hunde und lernt alles an Komandos und Tricks, die zum Hundeleben ebenso dazugehören wie ihre neu entdeckte Leidenschaft fürs Schwimmen und Tauchen. Stück für Stück soll sie Kondi näher kennen und vielleicht ja auch lieben lernen um sich so langsam ein wenig von Tyson abzunabeln, zu dem sie aber am Ende eines jeden Tages immer wieder zurück ins Körbchen geht, damit er in Ruhe und Sicherheit schlafen kann.