Trolly und die Straßenhunde

Von Bindungsarbeit und Beziehungsaufbau


Die vielen Straßenhunde in Ungarn machten es uns während unserer Reise durchs Land sowie unserem Zwischenstopp bei einer Urlaub gegen Hand Stelle zu einem Graus mit Trolly spazieren zu gehen. Täglich wurden wir mit seiner Angst und der damit verbundenen Aggressivität konfrontiert, die unser Gelber Hund an den Tag legt, wenn ihm Artgenossen zu nahekommen. Mit dem Trainingsstart gewöhnte er sich allerdings immer mehr daran, dass andere Hunde nichts Bösen im Schilde führen und er uns in diesen kritischen Situationen ruhig die Führung übergeben kann.


Trolly beim Training auf der Straße

Besonders Trollys Problem mit fremden Hunden ist eine scheinbar endlose Baustelle. Manche vierbeinigen Artgenossen bereiten unserem Gelben Hund schon bei einer Distanz von über zwanzig Meter derart große Angst, dass er mit eingezogenem Schwanz bellend und knurrend in der Leine hängt und in seinem Tunnelblick nichts anderes um sich herum mehr wahrnimmt. Auf Trolly einzuwirken ist in dieser Phase absolut unmöglich und aussichtslos. Genau dieser Problematik stellten wir uns aber nun in Ungarn mit den zahllosen kontaktfreudigen und lieben Straßenhunden.

Die fremden Vierbeiner zwangen uns gerade zu, unseren Angsthund mit all seinen Eigenarten endlich einmal richtig kennenzulernen. Von Woche zu Woche lernten wir, Trollys Verhalten immer schneller und präziser einzuschätzen. Durch die Masse an Vierbeiner, mit der unser Gelber Hund tag täglich konfrontiert wurde, gewöhnte nicht nur er sich an die Reize, auch wir gewöhnten uns an seine außergewöhnlichen Signale und Anzeichen. Das besondere an Trolly ist nämlich, dass er nicht nur ein Angsthund ist, sondern auch starke autistische Züge zeigt. Zu dem Problem, dass er andere Hunde nicht lesen kann, kommt hinzu, dass er selbst auch nicht in der Lage ist normal Signale zu senden. Da er aber als Angstbeißer sowieso bei jedem fremden Artgenossen den Wunsch hegt, ihn aus dem Weg zu schaffen, spielt diese Problematik primär erst einmal keine Rolle für uns.

Ganz stupide und simpel haben wir die letzten Wochen mit Trolly folgendes Schema entwickelt: Sobald unserem Angstbeißer ein fremder Vierbeiner bedrohlich erscheint, tritt er den Rückzug an und überlässt dem Leinenführer die Kontrolle. Über ein gezielt trainiertes Abbruchsignal lernt unser Gelber Hund allmählich, dass er in Situationen, die ihm Angst machen, nicht vorwärts auf Angriff schalten darf. Erscheint ihm etwas bedrohlich, soll er sich, soweit er möchte, aus dem Geschehen herausnehmen. Dabei soll er auf keinen Fall mehr versuchen, die Situationen selbst zu kontrollieren.

Wir hoffen, dass auch in Zukunft unser angesetztes Training weiter Erfolge zeigen wird und sich unsere Methoden auch auf andere schwierige Momente mit unserem Angsthund übertragen lassen. Es liegt sicherlich noch viel Arbeit vor uns, doch wir sehen auch immer wieder den unschuldigen Autisten in unserem Problemhund. Verschmust und anhänglich liebt es unser Trolly, gekuschelt zu werden und ist sichtlich dankbar für jede Minute, die wir ihm unsere liebvolle Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken. Unsere große Hoffnung liegt natürlich in der Vorstellung, mit dem intensiven Training unseren Angstbeißer immer näher an den kleinen Korny heranführen zu können, um ihm auch bei diesem Vierbeiner irgendwann klarzumachen, dass er keine Bedrohung für ihn darstellt.



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