UgH in einem Tiershelter in den Bergen Kroatiens

Wir sind als Tierfreund gekommen und wurden tierisch enttäuscht



Inmitten von Wiesen steht der Van vollkommen frei.

Während der ganzen Weltsituation, inmitten der Corona-Krise, wollten wir sehr schnell sehr weit weg von allem, was uns gefährlich werden kann. Auf einer Hundeauffangstation in den Bergen Kroatiens dachten wir, das perfekte Plätzchen für uns gefunden zu haben. Leider kam alles Mal wieder ganz anders, als gedacht.

Ein sicheres Plätzchen zum Stehen suchten wir, wo uns keiner verscheuchen kann. Natürlich sollte es noch in Kroatien liegen, da wir erst nach dem ganzen Trubel vorhatten weiterzureisen. Es sollte eine Urlaub gegen Hand Stelle sein, bei der wir gemeinsam mit unseren Hunden aufgenommen werden. Wir sind alles andere als anspruchsvoll und wollten nur einen Stellplatz für den Van, alle paar Tage eine Dusche, einmal im Monat eine funktionierende Waschmaschine und jeden Tag eine warme Mahlzeit, die statt macht. Dafür wollten wir natürlich auch helfen, wo wir können, und hätten uns über etwas Anschluss und ein nettes Miteinander gefreut.

Eine sympathisch wirkende deutsche Frau kontaktierte uns auf unsere Anzeige hin. Sie meinte, sie hätte die perfekte Stelle für uns. Als Auswanderin würde sie sich sehr freuen, uns mit unseren Hunden über die Zeit der Krise aufzunehmen. Alles schien zu passen, also fuhren wir kurzer Hand einfach hoch in die Berge. Als wir auf dem Tiershelter ankamen, schneite es erst einmal vier Tage und Nächte. Somit saßen wir schon zwangsweise mit dem Van fest. Doch das war nicht schlimm für uns. Die nette Besitzerin des Hofes und Tierheimes brachte und jeden Tag einen großen Topf mit Essen an den Van, in dem wir uns sowieso in eine selbstgewollte Quarantäne versetzt hatten. Sie erklärte uns, wie die Tiere des Shelters zu Füttern sind, und so nahmen wir der doch schon etwas älteren Frau diese Arbeit im hohen Schnee ab.

Der Hof war wie eine Zeitreise für uns. Das Wasser kam aus einer Zisterne und wurde nicht gefiltert. Es lief über einen Gartenschlauch quer über den Hof zum Haus, wo eine zweite Zisterne an der Rückwand stand, die das Haus mit Wasser versorgte. Das frische Nass musste gespart werden wie in der Nackkriegszeit, da es im Sommer kaum regnete und über diese Zeit der Vorrat halten musste. Die Toilette für die Helfer des Hofes stellte ein Plumpsklo mit offener Klärgrube dar. Duschen durften wir immer nur, wenn wir zwei Stunden zuvor die Zisterne am Haus befüllt hatten und höchstens einmal die Woche, zu gewünschten Zeiten der Hausherrin. Der ganze Hof samt dem Haus und den Zwingern der Hunde war sehr altertümlich und provisorisch aufgebaut. Für uns stellte all dies soweit kein wirkliches Problem dar, als Vanlifer sind wir sowieso bereits viel gewohnt. Das Wichtigste für uns ist eigentlich ein herzliches Miteinander und dass wir uns Willkommen fühlen.

Nach einer knappen Woche schmolz der Schnee so weit, dass wir es wagen wollten mit dem Van aus dem Hof zu fahren, da wir dringend Gas für die Heizung benötigten. Doch noch ehe wir es schafften, den Hof zu verlassen, erfuhren wir, dass über die vergangene Woche eine Ausgangssperre über ganz Kroatien verhängt wurde und wir nur mit einem Passierschein auf die Straße durften. Obwohl dieser Tag wirklich furchtbar verlief, stellte die Ausgangssperre schlussendlich kein Problem dar. Unsere Gastmutter beantragte sogleich einen Schein, der nach zwei Stunde per E-Mail ankam. Somit stand dem Tanken nichts mehr im Weg. Auch die Corona-Quarantäne wurde auf Wunsch der Hausherrin aufgehoben und ein gemeinsames Essen sollte ab dato stattfinden.

Ab diesem Tag allerdings begann alles etwas merkwürdig zu werden. Das Essen wurde immer weniger und wir wurden von der Gastmutter ermahnt, die wenigen - aus unserer Sicht netten - Gespräche mit ihr und ihrer 90-jährigen Mutter wärend des Essens einzustellen. Wohl stellten wir, die fast Tag täglich nur am Arbeiten auf den Wiesen oder beim Chillen im Van waren, zu viel Trubel für die Chefin dar. Sie wollte weniger Kontakt zu uns und kein unnötiges Blabla. Von der toughen Omi des Hauses erfuhren wir einige Tage später, dass der Mann unserer Gastmutter vor einem Jahr tragisch im Ausland verstorben war und sie mit dem Hof und all den Tieren zurückgelassen hatte. Dies schien die Chefin noch längst nicht verarbeitet zu haben, denn es wurde immer deutlicher, dass die Tierschützerin in uns wohl ihren geplatzten Traum vom Auswandern mit ihrem Mann sah.

Immer öfter meckerte sie an unseren arbeiten herum, die wir mit handwerklichem Geschick wirklich anständig erledigten. Es wurde uns immer schleierhafter, wie sie das wenige Essen argumentierte und unsere Arbeitsleistung kritisierte. Wir fühlten uns wie Leiharbeiter auf dem Feld und zunehmend weniger willkommen. Als Tierfreunde hängten wir uns bedeutend länger als die von der Gastmutter gewünschten 4 Stunden am Tag in die Arbeit mit den Vierbeinern. Auch auf freie Tage bestanden wir nicht, sondern nahmen der altersbedingt schon etwas kränklichen Frau die Arbeit mit den Tieren jeden Morgen ab. Wir verpflegten kommentarlos kranke Hunde und lösten mit einem großen Maß an Kreativität aufkommende Probleme.

Wir sanierten einige Bereich der Zwinger, pflegte das heilige Gartenbeet der Gastmutter und flickten hier und da die Zäune von Hunden und Ziegen. Kommentarlos nahmen wir die offensichtlich immer kleiner ausfallenden Essensrationen hin und trugen das ungefilterte Wasser mit Eimern zum Van. Der Kontakt mit unserer Gastmutter und der Omi des Hauses beschränkte sich zunehmend mehr auf die 30 Minuten des gemeinsamen Mittagessens. Die Angst etwas falsch zu machen und das Gefühl nicht willkommen zu sein wurden Tag für Tag größer. Wir konnten der Hausherrin einfach nichts mehr recht machen und spürten, dass wir allerhöchstens als billige Arbeitskräfte geduldet waren.

Wir wurden immer knapper und forscher zu unseren Aufgaben gebracht und es wurde immer mehr über den Tag, was wir erledigen sollten. Auf den Wunsch hin zu duschen (ein Mal die Woche) wurden wir oft vertröstet, da scheinbar kein warmes Wasser im Hause war. Immer öfter bekamen wir Gemüse in die Hand gedrückt und sollten uns selbst etwas kochen. Auch sonst war absolut kein Bedarf der Hausmutter nach Gesellschaft. Mehrmals bildeten wir uns sogar ein, hinter den Aussagen der Hausherrin mehr, als nur eine Informationsweitergabe herauszuhören. Sie teilte uns nach einer weiteren Woche mit, dass wir keinen Passierschein mehr bekommen würde, wenn wir fahren wöllten, da wir keine kroatischen Staatsbürger seien. Würden wir nun den Hof verlassen, würden wir bei der ersten Sperre angekommen, des Landes verwiesen werden. Kontrollen waren nach Aussage der Tierschützerin an jeder Straße und Kreuzung und kontrolliert wurde anscheinend ausnahmslos jeder. Wir konnten diese Aussagen nicht überprüfen und hatten uns darauf verlassen, bei ihr an der besten Adresse zu sein. Abgesehen von der furchtbaren Gesellschaft und dem grauenhaften Angebot, war die Landschaft, in die es uns über den kroatischen Lockdown verschlagen hatte, wirklich traumhaft. Die Weite der kroatischen Berge und die scheinbar endlosen Möglichkeiten sich zu bewegen brachten uns immer wieder in demütige und dankbare Stimmung. Aus dem Van heraus standen wir direkt auf einer Wiese, die uns täglich zu langen Spaziergängen mit den Fellnasen einlud. Auch die Hunde des Shelters genossen es mit uns gemeinsam durch die Berge zu ziehen. Im Gegensatz zu der Hausherrin nahmen uns die Vierbeiner schon nach kurzer Zeit anstandslos in ihr Rudel auf. Täglich warteten die frei laufenden Hunde des Shelters vor der Vantüre und begrüßten uns mit freundlichem Gebell.


Für Trolly war das natürlich ganz besonders spannend. Wir nutzen vom ersten Tag an jeden Hund, der fröhlich und neugierig auf uns zu kam, um mit unserem Angsthund zu trainieren. An der langen Leine mit offener Vantüre und seinem eigenen großen Schafszaun abgetrennt konnte unser Trolly über den Tag sicher und entspannt die frische Bergluft schnuppern. Es dauerte ein paar Tage, bis er das auch begriffen hatte, aber er wurde überraschend schnell gelassener. Tag für Tag tangierten ihn die fremden Hunde beim Gassi weniger und er ignorierte die in der Sonne um seinen Schafszaun dösenden aVierbeiner immer mehr. Diese UgH-Stelle war nach unserem Aufenthalt beim Haussitting in Ungarn eine unwahrscheinlich tolle Gelegenheit, das Training mit unserem Angsthund zu intensivieren. Etwas Stress war natürlich zweifelsfrei mit dabei, doch wir wollten ihn einfach nicht wie all die Zwingerhunde auf dem Gelände hinter verschlossener Tür im Van lassen. Besonders die kleinen schwarzen Wuselwelpen weckten in Trolly den Wunsch, den Van am liebsten nie mehr zu verlassen, doch wir wollten ihm mal wieder eine Lektion des Lebens lehren:

  1. Nicht alles, was klein und schwarz und quietschig ist, will dich und dein Rudel qualvoll meucheln.

  2. Der Himmel fällt einem so schnell nicht auf den Kopf, auch wenn man das vielleicht manchmal denkt.


Einige Zwingerhunde hatte es uns ganz besonder angetan. Mit herzzerreißenden Geschichten kamen sie in den Shelter, wie wir uns haben erzählen lassen. Auch wenn die Gastmutter nicht sehr liebevoll mit den Vierbeinern umging, die ihr Mann ihr hinterlassen hatte, so hatte sie doch ein großes Herz für die Tiere, denen sie Unterschlupf bot. Viele würden sich sicherlich auch toll vermitteln lassen und sich über ein Für-Immer-Zuhause mit einer liebevollen Bezugsperson freuen, doch besser als in ihren alten Leben ging es den Vierbeinern im Shelter allemal. Ganz besonders haben es uns natürlich die 12 Welpen angetan, die mit zwei trächtigen Hündinnen über Neujahr auf dem Hof abgegeben wurden.

Die Landschaft, Umgebung und das Leben mit den Vierbeinern dieser UgH-Stelle wäre durchaus erholsam für uns geworden, hätte nicht das vergiftete Klima und das unglaublich sterile Verhältnis zu der Gastmutter alles verdorben. Wir hatten einige Tage den Gedanken im Kopf, den Hof unter den vorherrschenden Bedingungen zu verlassen, konnten es aber nicht über das Herz bringen die alte Dame mit ihren Tieren im Stich zu lassen. Wir hofften einfach, dass es irgendwann besser werden würde, wenn wir nur zufriedenstellend weiterarbeiten würden. Bei einem Gespräch starteten wir den Versuch, die Diskrepanzen auf den Tisch zu bringen und Klartext zu sprechen. Dies wurde jedoch sofort abgeblockt und uns wurde nahe gelegt, uns doch besser auf die Arbeit zu konzentrieren, als unsere Zeit mit solchen Gesprächen zu verschwenden.

Am letzten Tag auf dem Shelter wurden wir schließlich angewiesen, neben der täglichen Routine mit dem Füttern und Pflegen des kompletten Tierbestands auch noch den Weidezaun der Ziegen auszubessern und zu flicken. Bis zum Mittag arbeiteten wir fleißig daran und freuten uns, als die Gastmutter am Zaun auftauchte. Sie kam jedoch nicht wie gedacht mit der Absicht uns zum Essen zu holen, sondern teilte uns mit, dass wir den Hof verlassen sollen. Aus ihrer Sicht sei sie wohl besser ohne uns dran und könne die zusätzliche Last uns unterhalten zu müssen nicht mehr tragen. Noch am selben Mittag wollte die Hausherrin, dass wir den Hof räumen und diskussionslos fahren.

So endete unser Urlaub gegen Hand Angebot mehr als nur abrupt. Was uns da draußen in der Welt erwarten würde, wussten wir nicht. Mit einem Mal war es der Gastmutter auch egal. Wir waren menschlich mehr als nur enttäuscht von dieser Frau, die UNS auf IHREN Hof gebeten hat, folgten ihrem Wunsch jedoch binnen einer Stunde. Die Tage nach der Abfahrt haben wir uns immer wieder gefragt, wie es nur dazu kommen konnte, dass wir uns fast schon versklavt haben, aus Angst zu gehen.


Gut war all dies aber dennoch gewesen, denn wir fanden schnell heraus, dass der Lockdown und die Ausgangssperre tatsächlich sehr streng geregelt wurden. Die weitere Zeit über die Corona-Krise in Kroatien überstanden wir aber auch ohne ein neues Urlaub gegen Hand Angebot mit vielen Höhen und Tiefen schlussendlich sehr gut und sind mehr als nur froh darüber, dass wir vom Hof geben wurden.




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