Was für ein sch*** Tag

Ein Problem kommt selten allein


Auch bei Vanlifern läuft manchmal alles so richtig sch***

Das Vanlife hat definitiv auch seine Schattenseiten, doch der heutige Tag hat mal wieder alles übertroffen, was wir seit unserem Ausstieg an Rudel-Problemen erlebt haben. Bei uns tauchen die Probleme nämlich nie alleine, sondern stets gehäuft auf.

Kaum beginnen wir wieder an unserem Aussteiger-Blog zu schreiben, steht uns ein bilderbuchreifer Tag ohne Happy End bevor. Aufgrund der aktuellen Weltlage mit dem Corona-Virus, haben wir uns vor knapp zwei Wochen in die Berge verzogen. In Eigenquarantäne stehen wir mit dem Van auf einem Gnadenhof, um dort Gutes zu tun und zu warten, wie sich die Welt so entwickelt. Völlig überraschend erwartete uns – nach angenehmen 20 Grad und Strandfeeling an der Küste Kroatiens – ein absoluter Kälteschock und das große Schneechaos.


Nach einer kurzen Akklimatisierungszeit halfen wir bereits tatkräftig mit und unser Tag im Tiershelter startetet normalerweise um sieben Uhr morgens. Heute ging er allerdings schon drei Stunde früher los. Geweckt wurden wir dabei nicht wie üblich vom Wecker, sondern von den Bullies, die sich für die Uhrzeit absolut untypisch unruhig verhielten. Die Kälte im Van ließ uns vermuten, was wir schon seit Tagen befürchteten: Die Heizung hatte den letzten Rest Gas aufgebraucht.


Da wir seit unserer Ankunft in den Bergen eingeschneit waren, war es uns nicht möglich, früher an Gas zu kommen, also hofften wir die Tage zuvor, dass es uns so lange halten würde, bis der Schnee abgetaut und die Straße für den Van wieder befahrbar war. Ausgerechnet heute war es dann soweit. Eine der kältesten Nächte hatte sich bereits am Abend angekündigt und die Temperaturen sanken noch mal bis in den zweistelligen Minusbereich. Als wir um circa fünf Uhr von den Bullies geweckt wurden, zeigte das Thermometer im Van eine Innentemperatur von plus zehn Grad an. In dem Wissen, dass wir dieses Problem in der Nacht nicht lösen konnten, versuchten wir noch einmal zu schlafen und hofften, dass der Morgen schnell kommt. Bei Sonnenaufgang sank unser Thermometer dann schließlich unter die fünf Grad Marke und wir weckten unsere Gastmutter im Haus auf.


Mit einem Lächeln hob sie uns stolz eine 10 kg Gasflasche entgegen. Die euphorische Stimmung wurde jedoch augenblicklich durch die Tatsche getrübt, dass unser Van mit LPG betankt wird. Wir erfuhren nicht nur, dass die nächste Tankstelle hierfür bei gutem Wetter über eine halbe Stunde Autofahrt entfernt vom Hof lag, es war zudem auch fraglich, wie gut die Straßen bis dorthin geräumt waren. Allein die Ausfahrt aus dem Hof war eine Herausforderung für sich, da der Feldweg nicht nur zugeschneit, sondern auch stark vereist war. Gott sei Dank leisteten unserer Winterreifen hier aber gute Dienste und wir konnten zumindest diese Hürde schnell meistern.

Doch bis zum losfahren sollte noch eine Weile vergehen. Unsere Gastmutter teilte uns mit, das es aufgrund der aktuellen Situation mit dem Corona-Virus, nicht mehr so leicht ist, sich in Kroatien frei zu bewegen. Gerade mit einem deutschen Kennzeichen am Van standen die Chancen sehr gut, dass wir an einem der vielen Kontrollposten der Polizei angehalten werden würden. Da es in Kroatien schon seit mehreren Tagen starke Ausgangsbeschränkungen gibt, benötigen wir einen beglaubigten Passierschein um zur Tankstelle fahren zu dürfen. Diesen konnte unsere Gastmutter zum Glück schnell für uns beantragen, jedoch sollte bis zum Eintreffen des Scheins noch einige Zeit vergehen. Trotz eines sonnigen Frühjahrstages, der sich nach der eisigen Nacht ankündigte, blieben die Temperaturen im Van weiter frostig.


Wir beschlossen die Wartezeit auf den Passierschein mit der morgendlichen Gassirunde zu verkürzen. An diesem Morgen neu, waren die zwei jungen Welpen, die mit ihren gerade mal acht Wochen beschlossen, uns in die Berge zu begleiten. Als wir die beiden unerwünschten Begleiter bemerkten, waren wir bereits mitten am Berghang unterwegs. Wie immer maschierten mit uns auch noch ein paar andere Hunde des Hofes mit. Als diese von einem aufgeschreckten Wild in den Jagdgalopp wechselt, schlossen sich nicht nur die beiden Welpen mutig an, sondern auch unser Korny beschloss, der Rasselbande durch das dornige Gestrüpp zu folgen. Unseren Vollblutjäger tangierte die Tatsache, dass im Gebirge ein recht furchtloses Rudel Wölfe seine Kreise zogt, nur wenig. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Korny auf der Lichtung des steilen Hangs wieder zu sehen war. Sein Jadgebelle ertönte zuvor über eine halbe Stunde aus dem Wald, bis er uns erschöpft entgegenkam.


Während ich den Berg hinauf hetzte, um Korny abzufangen, bevor er sich noch ein zweites Mal zu einer derart kopflosen Aktion hinreisen lies, spürte Ben die Welpen auf. Sie konnten mit den Großen natürlich kaum mithalten und irrten komplett erschöpft und auf sich alleine gestellt durch das Gestrüpp am Fuß des Hangs. Das Wimmern der Kleinen war für Ben schon von Weitem zu hören und so konnten die Welpen recht schnell aus den Dornen befreit werden. Mit zwei – zur Abwechslung mal – braven Bullies, einem angeleinten Korny und zwei winselnden Junghunden in der Jacke, kamen wir an diesem Morgen noch vor 10 Uhr komplett fertig mit den Nerven zum Hof zurück.


Doch damit war natürlich nicht genug, dieser Tag hatte noch einiges mehr lauf Lager für uns. Keine zwei Sekunden nachdem Korny zum Frühstücken von der Leine gelassen wurde, war sein Napf bereits leer und er begann wieder fröhlich über den Hof zu streunern. Unbemerkt entzog er sich nur für wenige Augenblick unserer Aufmerksamkeit, bis ein ohrenbetäubender Schrei ertönte. Ein geschockter Korny kam um die Ecke gehumpelt. Nach genauerem Betrachten der Blessuren entdeckte ich zwei tiefe Bisswunden im Oberschenkel, die den Einsatz unseres antibiotischen Sprays erforderten. In dem naiven Glauben, dass wir die Hundeapotheke so schnell nicht wieder brauchen würden, haben wir die Medikamente bei der letzten Aufräumaktion natürlich in die hinterste Ecke des Vans verfrachtet.


Nach einer weiteren halben Stunde war Korny dann endlich verarztet und wir erfuhren, dass wohl einstreunender Hund aus der Nachbarschaft seit einiger Zeit sein Unwesen auf dem Hof trieb. Dem nicht genug, machte der Wagen uns auch noch weitere sorgen. Zuerst wurde das Spülen zu einer eisigen Herausforderung, als das Frischwasser im 80 Liter Tank zu Neige ging und uns nur die Möglichkeit blieb, das dreckige Geschirr mit dem kalten Wasser der Zisterne zu reinigen. Das Spülwasser bereitete uns dann sogleich das nächste Problem. Es schien aus dem Spülbecken scheinbar grundlos nicht mehr abzulaufen. Nach genauerer Betrachtung war voller Körpereinsatz im eisigen Schnee unter dem Van gefragt. Das Rohr zum Abwassertank war wohl über die Nacht mit Restwasser zugefroren und verhinderte nun das Ablaufen im Spülbecken. Mit viel Geduld und zitternden Händen demontierte ich das Rohr erfolgreich aus seiner Halterung und das Wasser floss ab.


Als wir dann endlich kurz vorm Mittag den ausgedruckten Passierschein in die Hände bekamen, durfte einer von uns losziehen, um das heiß ersehnte LPG zu tanken. Während Ben sich mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet auf den Weg in die Zivilisation machte, behielt ich Korny im Haus unserer Gastmutter im Auge.


Erfolgreich kehrte Ben mit einem vollen Gastank nach mehreren Stunden zurück. Seine verdienten und frisch an der Tankstelle gekauften Zigaretten, fielen ihm beim Ausstieg allerdings sogleich in den nassen Schnee und mussten binnen weniger Sekunden als Lehrgeld abgehakt werden. Ebenso auch die knapp 30 Liter Trinkwasser, die Ben unterwegs besorgt hatte. Sie wurden als leckere Alternative zum Zisternenwasser in den Frischwassertank gegossen. Das dieser durch die niedrigen Temperaturen im Van über Nacht in den Frostschutzmodus geschalten hatte, wurde uns aber erst bewusst, als eine Stunde später aus dem Hahn kein Tropfen des mühsam eingeleerten Wassers mehr kam. Das teure Nass war über den Frostschutzablauf auf direktem Wege wieder unter dem Van herausgelaufen.


Mit den letzten Nerven organisierten wir noch das versprochene Fotoshooting mit einigen Welpen des Shelters. Danach war endlich der Feierabend in Sicht. Die Hoffnung, diesen mehr als bescheidenen Tag schlussendlich abhaken zu können, wurde dann aber noch ein weiteres Mal im Keim erstickt. Unsere Geduld wurde erneut auf die Probe gestellt, als sich ein unangenehmer Geruch im Van breitmachte. Scheinbar hatte ich beim Shooting mit vollem Körpereinsatz nicht alle Hinterlassenschaften der Welpen auf dem Schirm gehabt. Die braunen Flecken auf Hose und Jacke entpuppten sich im Nachhinein nicht als gewöhnlicher Schneematsch, sondern rundeten diesen scheiß Tag gehörig ab.


Nach unserem Ausstieg und Start ins Vanlife haben wir heute wieder einmal festgestellt, wie eng es im Van auf 12 qm werden kann, wenn man mit drei Hunden zugeschneit bei unter 5 Grad mit leerem Gastank die Heizung nicht mehr zum Laufen bringt und von den 80 Litern Frischwasser kein Tropfen mehr übrig bleibt. Unsere Ansprüche sind ins bodenlose gesunken und wir wissen mal wieder jedes Grad plus und jeden Liter Trinkwasser zu schätzen.

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