Was ist dieses Geocaching eigentlich?

Schatzsuche im 21. Jahrhundert



Oft wird diese Art der Freizeitbeschäftigung als moderne Schnitzeljagd abgetan, doch Geocaching ist viel mehr als das! Gerade Jess, die schon seit fast zehn Jahren auf der Suche nach Cachedosen ist, weiß, dass einen die kleinen Schätze immer wieder über die schönsten und abgelegensten Wege führen und einem die besten Erlebnisse in der Natur schenken.

Gemanaget wird das ganze Spiel von einer Organisation namens Groundspeak, welche die offizielle Website von Geocaching verwaltet. Sie wird auf der ganzen Welt von sogenannten ehrenamtlich tätigen Reviewern unterstützt, die sich um die Verwaltung der über 3 Millionen veröffentlichten Geocaches weltweit kümmern. Für Groundspeak tätig sind aber weit mehr – auch fest angestellte – Mitarbeiter. Naturbegeisterte können das Geocachen prinzipiell kostenlos betreiben, sich aber auch für 30 Euro eine Premium Jahresmitgliedschaft kaufen, mit der dann bedeutend mehr Dosen gesucht und einige Zusatzfeatures mehr nutzt werden können. Bei Cachedosen handelt es sich um Behälter unterschiedlichster Größe, welche an den verschiedensten Orten versteckt werden. Gefüllt sind sie meist nur mit einem sogenannten Logbuch. Dabei handelt es sich um ein kleines Buch, Heft oder einfach nur eine Papierrolle, in die man sich einträgt, um somit zu signieren „Ich war hier!“. Meistens findet man auch einen Stift in der Dose, mit dem sich die Geocacher ins Logbuch eintragen können, ein eigenes Schreibgerät mit dabei zu haben sollte aber dennoch immer Pflicht sein. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als mit der Dose in der Hand und dem Logbuch vor den Augen dazustehen, aber keinen Stift zum Signieren dabei zu haben. Besonders in größeren Dosen sind manchmal auch noch Tauschgegenstände enthalten, die vor allem Kindern den Spaß an der Suche schenken sollen. Kleine Spielfiguren, Armbänder, Flummies, Sticker – Wer eine Kleinigkeit da lässt, darf auch eine mitnehmen. Oberstes Gebot ist hierbei das faire Tauschen.

Klassisch unterteilt werden die Dosen der Größe nach von den meisten Cachern in Nano, Micro, Klein, Mittel, Groß und Andere. Ein Nano ist gerade mal fingernagelgroß, ein Micro hat meistens die Größe einer klassischen Filmdose und so geht es immer weiter aufwärts bis zu den großen Dosen, die oft auch in Form von Munitionskisten oder 10 Liter Eimern mit Deckel anzutreffen sind. Am spannendsten sind meist die Geocaches vom Typ Andere. Bei diesen handelt es sich auch mal um etwas ungewöhnlichere Logbücher. Beispielsweise abnehmbare Schilder oder Teile einer Litfaßsäule. Jeder Geocache ist mit einer T- und D-Wertung ausgestattet. Dabei werden auf einer Skala von 1 bis 5 die Anforderungen an das Terrain und die Difficulty (den Denkaufwand), festgelegt. Eine Faustregel besagt, dass ein Geocache mit einer Terrain-Wertung von 1 aus dem Rollstuh heraus gemacht werden kann und ein T5er in der Regel immer das Tauchen oder Klettern notwendig macht, um an die Dose zu kommen. Ein Geocache mit einer Difficulty von 1 ist ohne großen Aufwand zu finden und zu loggen, wobei ein Cache mit einer D5-Wertung erheblich schwerer zu finden ist.

Die Suche nach den Dosen

Um eine Geocachedose suchen zu können benötigt man die genauen GPS-Koordinaten. Führen einen die Koordinaten direkt zur Dose, ist es ein sogenannter Traditional Cache. Gelangt man über die Koordinaten an den Start einer Strecke, die man meist zu Fuß ablaufen muss (oft ein Rundweg), um dabei Fragen zu beantworten, handelt es sich um einen Multi-Cache. Mithilfe der beantworteten Fragen kann man dann das Finale und damit die tatsächlichen Koordinaten des Dosenversteckes ermitteln. Es gibt aber noch viele weitere Geocachetypen, auf die wir später eingehen werden. Am besten geht das Anpeilen von Koordinaten mit einem Smartphone oder GPS-Gerät (Globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung). Wir persönlich gehen meist mit dem Handy cachen. Gerade in der Stadt mit gutem Empfang kann man schnell das Smartphone zücken, das GPS aktivieren und mit einer Geocaching-App nach Dosen in der Nähe suchen. Die bekannteste Applikation ist dabei die Geocaching-App von Groundspeak, welche es auf iOS und Android gibt. Die Apps c:geo und Locus sind kostenfreie Alternativen von privaten Geocachern, welche für Smartphones mit Android erhältlich sind. Wir persönlich arbeiten gerne mit c:geo sowie der offiziellen Geocaching-App. Gerade im Wald empfiehlt sich aber das GPS-Gerät. Es ist für viele sehr altertümlich und wird oft belächelt, doch es hat nun mal eine bedeutend bessere Genauigkeit und wurde ausschließlich für das Orten von Koordinaten entwickelt. Ein Handy muss heutzutage von allem ein bisschen was können, was oft natürlich vorteilhaft ist. Wenn das einzige Ziel aber darin besteht eine Dose im Wald zu finden, dann ist es oft ratsamer, sich auf ein GPS-Gerät zu verlassen. An den Koordinaten der Dose angekommen, hat man mit einem geschulten Auge und etwas Glück meist schnell die Dose in der Hand. In der Stadt kann dies durchaus anspruchsvoller sein, da die Dosen durch ein höheres Muggelaufkommen oft auch besser versteckt sind. Ein Muggel ist hierbei – ganz nach der Welt von Harry Potter – eine Person, die das Geocachen nicht ausübt, so wie bei Harry Potter all diejenigen, die nicht zaubern können. Tatsächlich laufen auch wir als Cacher gelegentlich unwissend an Dosen vorbei, da die Verstecke wirklich hervorragend getarnt sind. Uns geht es selbst hin und wieder so, dass wir trotz dem Wissen über die Dose einfach Tomaten auf den Augen haben und sich der Geocache einfach nicht zeigen will.

Bei einigen Geocachetypen kann einem das nicht passieren, da es überhaupt keine Dose zum Suchen gibt. Denn neben den klassischen Typen, bei denen man direkt (Traditional Cache) oder über einen Rundweg (Multi-Cache) zur Cachedose gelangt, gibt es noch einige Weitere:

  • Ein ebenfalls sehr häufig anzutreffender Geocachetyp hierbei ist noch der Rätselcache oder auch Mystery genannt. In der Beschreibung des Geocaches – dem sogenannten Listing – ist ein Rätsel enthalten, dass man lösen muss, um an die tatsächlichen Koordinaten der Dose zu kommen.

  • Dann gibt es noch den sogenannten Letterbox Hybrid. Klassischerweise wird bei diesem Cachetyp im Listing der Weg zum Finale beschrieben und kann ohne ein GPS-Gerät abgelaufen werden. Es gibt aber einige Unterarten des Letterbox Hybrid, die sich im Aufbau dann auch wieder etwas unterscheiden. Gemeinsam haben aber alle, dass ein Stempel in der Dose zu finden ist. Dieser darf nicht entwendet werden. Er ist dazu da, um in ein eigenes Logbuch einen Abdruck des Stempelmusters zu machen und somit die Stempelmotive von Letterboxen zu sammeln. Zudem ist es auch immer Pflicht sich in die Logbücher von Letterboxen mit einem eigenen Stempel einzutragen.

  • Etwas seltener anzutreffen sind dann noch die Wherigos. Bei diesem Geocachetyp benötigt man eine Zusatz-App. Um an die Dose und somit das Final zu gelangen, muss man bestimmte Aufgaben erfüllen. Das Ganze ist klassischerweise in etwa wie ein Onlinerollenspiel aufgebaut, dass man aber in der realen Umgebung spielen und ablaufen muss. Oft schlüpft man in die Haut eines Protagonisten. Zum Beispiel einem Ermittler, der einen Mordfall oder Raub aufklären muss.

Loggen kann man übrigens alle Geocaches nach dem Eintragen ins Logbuch auch online auf Geocaching.com. Außer natürlich die Besonderen, die man nur online loggen kann mit Vorgaben, da es kein Logbuch vor Ort gibt. Hierzu zählen Earth Caches, Webcam Caches, Virtual Caches und Labcaches.

  • Earth Caches führen einen an geologisch besondere Orte. Im Listing werden meistens Fragen gestellt die man nur vor Ort beantworten kann und dann per Mail an den Besitzer des Geocaches – den sogenannten Owner – schicken muss. Manchmal muss man auch kleine Experimente durchführen und das Resultat dann an den Owner weitergeben, um eine Logerlaubnis zu bekommen.

  • Webcam Caches sind in Städten auf Marktplätzen zu finden. Von der Stadt ist dort meist eine Webcam installiert, auf die jeder öffentlich Einsicht hat. Diese Geocachetypen loggt man online zusammen mit einem Screenshot der Webcam, auf dem man zu sehen sein muss.

  • Bei den Virtual Caches handelt es sich um Cachetypen, bei denen man eine im Listing gestellte Aufgabe erfüllen und sich dabei fotografieren muss. Es gibt diese Geocaches in vielen Varianten, bei allen aber steht das Erlebnis und eine Aktivität im Vordergrund und nicht das Loggen. Nur eher selten bestehen diese Cachetypen aus Fragen oder Rätseln. Leider kann man seit einiger Zeit keine Virtual Caches mehr veröffentlichen. Groundspeak lässt zwar alle bestehenden unberührt, aber es können keine Neuen erstellt werden.

  • Labcaches gibt es noch nicht sehr lange. Erst seit circa vier Jahren kann man diesen Cachetyp loggen. Sie sind nicht nur verhältnismäßig neu, sondern auch sehr speziell. Labcaches werden meist im Namen von Mega- und Giga-Events gelegt. Zur Logfreigabe muss der Geocacher eine spezielle Information ermitteln und auf einer gesonderten Homepage eingeben. Dieser Typ von Caches dient dazu die Gegend um das Event besser kennenzulernen und die Masse an Besuchern zu verteilen.

  • Als Letztes gibt es dann noch die Event Caches. Sie dienen zum Austausch mit anderen Geocachern und der Unterhaltung. Auch diese kann man – wie alle anderen – online loggen. Aber hier wird wieder meistens ein Logbuch ausgelegt, in das sich die Eventteilnehmer physisch eintragen können. Geocacher unterscheiden diese Typen noch nach Größe. Ab mindestens 500 Anmeldungen bezeichnet man sie als Mega-Events und ab 5.000 Besuchern als Giga-Events.

  • Eine Sonderform stellt hierbei das CITO da. Bei sogenannten Cache-In-Trash-Out-Events wird Müll aus einem vorher festgelegten Geländebereich geräumt um an dessen Stelle Geocaches zu legen. Aber auch andere Umweltschutzaktionen und die Pflege der Kulturlandschaft sind oft Bestandteil eines solchen Events. Meist werden derartige Aktionen in Zusammenarbeit mit der Stadt organisiert.

Travelbugs und Co

Events eigenen sich nicht nur gut, um Informationen auszutauschen, auch sehr beliebt ist der Tausch und das Begutachten von sogenannten Trackables. Sie werden unter anderem unterteilt in Travelbugs (sehen ähnlich aus wie die US-Erkennungsmarken von Soldaten und hängen immer an einem Reisegegenstand dran) und Coins (sehen ähnlich aus wie US-Verdienstmedaillien). Jeder von ihnen besitzt einen festen Code, mit dem man ihn eindeutig identifizieren kann. Oft findet man Trackables auch in größeren Dosen vor, aus denen man sie als Geocacher mitnehmen und wandern lassen kann. Denn die meiste Trackables haben eine Aufgabe oder ein festes Ziel, dass sie gerne erreichen möchten – danach sollte man immer schauen! Jeder kann übrigens einen Trackable auf Reisen schicken oder einen eigenen Geocache legen. Dazu braucht man nur ein Geocaching Account und im Falle des Trackables natürlich einen entsprechenden Gegenstand mit seinem einmaligen Code. Erwerben kann man diese unter anderem in zahlreichen Onlineshops. Den Code aktiviert man online und los geht die Reise. Einen Geocache zu legen ist da schon etwas aufwendiger und sollte gut überdacht werden. Es empfiehlt sich, schon einige Dosen geloggt zu haben, bevor man sich an den Ersten eigenen wagt. Erst wenn man bereits eine Vielfalt an Geocaches gesehen und gefunden hat, besitzt man genügend Erfahrung, um auch die eigene Dose entsprechend anlegen zu können. Eine kleine Auswahl der von uns gefunden Dosen, sowie einige von uns entdeckten Trackables kannst du dir hier unten in der kleinen Galerie mal anschauen.



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