Wenn es Zeit wird für "Happy Birthday"

Der Moment, in dem ich es besser weiß


Mázli, die hochkonzentriert in die Kamera schaut.

Ich schicke diese Gedanken zu meinem Seelenhund Mázli auf die Regenbogenbrücke. Der zweite Juni ist heute. Nicht sonderlich anders, wie der erste oder der dritte dieses Monats, nicht mehr. Doch zehn Jahre lang habe ich an diesem Tag eine kleine Hackfleischtorte gebacken und alles durchgehen lassen, was sich mein Mudi über den Tag so alles hat einfallen lassen. Heute ist ihr Geburtstag.


Schon seit einigen Wochen habe ich das Datum auf dem Schirm. Nicht nur, dass ihr Todestag in beängstigender Geschwindigkeit näher rückt, auch ihr Geburtstag, der erste, an dem sie nicht mehr da ist, gehört zu den Tagen, vor denen ich mich lange gefürchtet habe. Verdränge ich diese Angst, ist aber alles wie immer gewesen und auch heute Morgen, ist nichts anders. Natürlich nicht. Was soll auch sein?


Hört die Welt plötzlich auf sich zu drehen und jeder Hund der Umgebung kommt an unseren Van, um mir Trost zu spenden? Macht Gott für ein paar Stunden die Pforten zum Himmel auf und ich sehe sie tatsächlich noch einmal wieder, um es dann zu bereuen keine Torte gebacken zu haben? Natürlich kommt keiner der fremden Menschen hier an den Van, um mir sein Beileid auszusprechen und genau genommen erwarte ich nicht einmal von Ben, dass er etwas sagt, denn was sollte das schon sein? Heute ist nun mal ein Tag, wie jeder andere und so fühlt er sich auch an. Ich bin nicht trauriger als gestern oder gefasster als ich es vermutlich morgen sein werde.


Am meisten regt mich eigentlich auf, dass es mich so wenig aufregt. Dieses Gefühl habe ich oft. Da der Alltag bei uns vormittags meist stark getaktet ist, muss ich schon morgens funktionieren und das kann ich mittlerweile hervorragend. Nach dem Aufstehen, Kaffee kochen und Menne aus dem Bett werfen heißt es Hunde richten und Gassi gehen. Dann gehts ans Füttern der Vierbeiner und Vorbereiten fürs Home Office. Genau so ist es auch heute. Warum auch nicht?


Sollte ich freinehmen, nur wegen des Geburtstags von jemandem, der gar nicht da ist, um diesen Tag mit mir zu verbringen? Oder krankmachen, um traurig zu sein, nur, weil Mázli an ihrem Geburtstag nicht mehr da ist? Nein, es sind Momente wie diese, wo ich so unsicher bin, was ich fühle und was mein Verstand mir vorspielt.


Ich weiß, dass ich immer traurig sein kann, wenn ich will. Ich weiß, dass ich nicht traurig sein muss, nur weil es passen würde. Ich weiß, dass es immer Momente gibt, die mich stärker triggern als andere. Ich weiß, dass ich meine Maus unendlich vermisse. Ich fühle heute hauptsächlich Unsicherheit. Unsicherheit darüber, dass ich nicht weiß, was ich fühle. Das ist doch Käse!!


Zu akzeptieren, dass ich nicht immer traurig sein muss, wenn mein Kopf das für sinnvoll hält und dass ich immer traurig sein darf, egal ob es Sinn macht oder nicht, ist ein verdammt schwerer Schritt. Die Freude bei der Erinnerung zuzulassen fällt mir noch mindestens ebenso schwer und gerade an Tagen wie heute bin ich so unsicher, wie ich damit umgehen soll.


Denke ich nicht an Mázli, ehre ich sie dann überhaupt?


Denke ich zu sehr an sie, versaue ich mir dann einen eigentlich schönen Tag?


Lasse ich die schönen Gedanken jetzt zu, kommen dann in wenigen Minuten auch die schlimmen hinterher? – Kann ich das dann noch kontrollieren?


Muss heute überhaupt etwas anders sein? Oder kann ich diesen Tag einfach aus meiner Agenda streichen? – Ist dass dann der richtige Weg?


Was ist der richtige Weg? – Dass ist wohl die eine Millionen Euro Frage. Jeder muss seinen Pfad finden und meiner, der ist so verdammt zugewuchert, dass ich einfach nicht raffe, wo der Einstieg ist. Diesen Weg zu laufen wird vermutlich alles andere als leicht. Ich habe mich aber mit dem Niederschreiben meiner Gedanken für eine Richtung entschieden. Ich weiß bis heute nicht, ob es die Richtige ist. Leicht zu bewandern ist dieser Weg schon mal nicht – Ein gutes Zeichen?


Ich will mich nicht unnötig quälen, doch da ich so stark zur Verdrängung neige, darf ich auch nicht die Augen verschließen. Auch wenn ich so oft zwischen diesen beiden Pfaden hin und her springe, hoffe ich doch, dass ich dazwischen irgendwann ein Weg beginnt abzuzeichnen, der mich irgendwann auch ans Ziel führt.


Dabei stelle ich mir das Ziel vor, wie einen Weg, den man nach einem starken Aufstieg mit viel unwegsamen Gelände beginnt zu laufen. Er ist einfach zu betreten und es ist leicht, darauf zu bleiben. Die Aussicht ist schön und es macht Spaß darauf zu wandern. Das Gefühl aus Glück und Freude, einen solchen Weg laufen zu können, das wäre mein Ziel.


Ich schicke dir nur die besten Glückwünsche auf die Regenbogenbrücke meine Mázli! Gott was hätte ich getan, wenn ich beim Backen der Torte letztes Jahr gewusst hätte, dass es für immer die Letzte sein wird. - Von diesen Gedanken habe ich viele, die Abwärtsspirale in die sie einen treiben ist schier nicht abzuwenden und daher hoffe ich lieber, dass du ab jetzt noch tausendmal schönere Geburtstage hast und meine Grüße bei dir ankommen. Und wer weiß, vielleicht backe ich dir ja doch irgendwann mal noch mal eine Geburtstagstorte, wenn wir uns da oben wieder sehen.

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