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Start ins Ultralight-Trekking als Wanderanfänger

- Leicht zu Fuß auf schwerem Weg


Nature.Impulse - Korny hat sich selbst mit eingepackt

 

 

Es ist doch immer die gleiche Frage, die sich jeder vor seinem Urlaub, einer Reise oder auch nur einem Kurztrip stellt: Was nehme ich mit?

 

Das Meisterwerk besteht wohl immer darin, sich auf das Nötigste zu beschränken. Denn die meisten tendieren eher mal schnell dazu Alles was möglich ist miteinzupacken. Für jeden sind andere Sachen wichtig und natürlich müssen auch immer abhängig von der Reise oder dem Urlaub andere Dinge unbedingt mit dabei sein. Wir nennen das die Grundausrüstung. Diese ist bei einem Skiurlaub natürlich eine komplett andere, wie bei einer Südseereise. Alles, was da dann noch oben drauf kommt, sind meist die Luxusgüter. Jeder hat etwas Anderes, dass er unbedingt mitschleppen muss, dass unbedingt noch in den Koffer gequetscht werden muss und von dem er glaubt, dass er es nicht daheim zurücklassen kann. Genau dass, macht das Ultralight-Trekking für Anfänger zu einer so großen Herausforderung, die es sich aber lohnt anzugehen!

 

Hauptsächlich beim Reisen zu Fuß, wo man alles was man zum Leben braucht auf dem Rücken tragen muss, wird dieser Begriff verwendet. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur drei Tage durch die Berge wandert oder ob man sich entschließt in 30 Tagen einen Fernwanderweg mit 2000 km zu laufen. Entscheidend ist dabei nur, was man mit dabei hat. Denn das sollte beim Ultralight-Trekking wirklich nur das absolut Notwendigste sein. Alles, was über das zum Überleben Notwendige hinausgeht, wird dabei als Luxusgut bezeichnet und ist ein No-Go.

 

Beim Planen unserer Tour durch die Bayerischen Alpen wollten wir uns so strikt wie es geht an die Regeln des Ultralight-Trekking halten. Doch gerade für Anfänger wie uns, stellte sich das als unmöglich Umsetzbar heraus. Wir versuchten einen Mittelweg zu finden und eine Gewichtsgrenze, mit der wir für uns gut klar kommen. Somit haben wir die Obergrenze des Ultralight-Trekking zwar überschritten, doch sind auch noch weit unter dem Standard der meisten Luxuswanderer. Ganz wichtig ist für uns unter den gängigen Grenzen zu bleiben, deren Überschreitung der Gesundheit schadet. Als Faustregel liest man hier oft von der ¼ Regel, welche besagt, dass man auch über einen längeren Zeitraum gut bis zu einem Viertel seines Körpergewichts auf den Schulter tragen kann. Frauen sollten allerdings, gerade bei längeren Touren, dazu tendieren nur 20% des eigenen Körpergewichts zu tragen.

 

Die Grenzen bei den Ultralight-Wanderern sehen da schon wieder ganz anders aus. Hier gilt in erster Linie die Faustregel der goldenen Drei: Rucksack, Schlafen & Schutz sollten nicht mehr als 3 Kilogramm wiegen. Wenn man unter dieser Grenze bleibt, ist man schon einmal leichter zu Fuß unterwegs. Mit der restlichen Ausstattung (ohne Verpflegung) sollte ein echter Ultralight- Wanderer insgesamt unter 5 Kilogramm bleiben. Dies geht dann aber schon Richtung Extrem-Ultralight-Trekking, bei welchem man als Seitenschläfer die Luma in der Mitte durchschneidet oder sich einen wasserdichten Rucksack aus IKEA Taschen zusammennäht.

 

Wir für unseren Teil haben uns für ein – unserer Meinung nach – gesundes Mittelmaß entschieden und auf die Bastelei erstmal verzichtet. Über die fünf Kilo kommen wir zweifelsfrei und vor allem mit dem Hundefutter für Müsly und Korny fällt unser Verpflegungsgewicht schon etwas höher aus als es sollte. Zudem ist die DSLR-Kamera als persönliches Luxusgut mit dabei und macht somit das richtige Ultralight-Trekking sowieso unmöglich. Dafür haben wir aber auf andere Sachen gesetzt. Beim Investieren in unsere Ausstattung haben wir gezielt nach ultraleichter Ausrüstung geschaut. Wir haben nach extra kleinen und leichten Schlafsäcken und –matten gesucht, auf Tarp statt Zelt zurückgegriffen und uns einiges an Multifunktionsgegenständen zugelegt, die vielseitig einsetzbar sind und zusätzliches Gepäck reduzieren.

 

Die Vorteile des Ultralight-Trekking und dem dadurch einzusparendem Gewicht, haben uns auch ohne persönliche Erfahrung bereits vollkommen überzeugt und sollten jedem Luxuswanderer zu denken geben, denn:

  • Man schont seinen Rücken und fördert zweifelsfrei die Gesundheit, wenn man gerade bei langen Strecken seinen Körper nicht mit über die Maßen viel zusätzlichem Gewicht belastet.
  • Man hat mehr Spaß beim Wandern, wenn man weniger mit sich rumschleppen muss und auf leichterem Fuße unterwegs ist. Auch am Ende eines Trekkingtages ist man nicht zu sehr ausgelaugt und erschöpft, wenn man weniger auf dem Rücken zu tragen hat. Somit bleibt auch die Freude auf den nächsten Tag noch erhalten.
  • Mit weniger Gewicht auf dem Rücken lässt sich einfacher mal das Tempo anziehen und auch länger durchhalten, was beim Quälen mit einem schweren Rucksack nicht ganz so leicht fällt.
  • Wenn man nur mit dem Minimum, das man zum Leben braucht unterwegs ist, lernt man, worauf es wirklich ankommt. Man löst sich vom Möglichen und Erkennt das Nötige. Es befreit einen ungemein von seinen Ängsten und Zwängen, wenn man dem Luxus der Konsumgesellschaft den Rücken zukehrt und den Luxus von Natur und Stille zu schätzen lernt. Wenn man mit weniger zufrieden ist, wird man anspruchsloser und weiß, was man hat, mehr zu würdigen.

Auch wenn wir mit unserer momentanen Ausrüstung noch weit weg sind vom richtigen Ultralight-Trekking, haben wir doch schon einen guten Schritt in diese Richtung gemacht und werden nach unserer Reise bestimmt noch einen weiteren großen Schritt gehen können. Denn schlussendlich ist es doch genau dieses Wissen – dass man auf jeder Reise dazu erlangt – welches einem über die Zeit hilft zu erkennen was wirklich Lebensnotwendig ist.

 

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