Vanliferin Jess

Vom Unistreben ins Abenteuerleben

Hey, ich bin Jess!

 

Als gebürtige Heilbronnerin habe ich mit meinen 26 jungen Jahren vor einiger
Zeit die ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den Luxus eines normalen
Lebens hinter mir zulassen und einen anderen Weg einzuschlagen. Ich liebe die
Natur und will ihr so nahe sein, wie es nur geht. Dafür habe ich mich von meinem
Alltag im Hamsterrad gelöst, von allem Unwichtigen getrennt und bin in ein
waschechtes Vanlife gestartet. Auf knapp 12 qm bereise ich nun schon eine ganze
Weile als Aussteigerin mit drei Vandogs und meinem Reisebegleiter wie auch Lebensgefährten Ben die Welt.

 

Schon während meiner Ausbildung zur Mediengestalterin bei einem städtischen Tageblatt merkte ich, dass die Arbeit bei der Zeitung nicht so ganz meine große Erfüllung darstellte. Ich bekam zunehmend das Gefühl, dass es da draußen doch mehr für mich geben musste als eine 40 Stunden Woche till the ende of time.

 

Eine große Leidenschaft von mir stellt schon immer das Schreiben dar. Als Texterin arbeite ich mit den unterschiedlichsten Auftraggebern zusammen und tobe mich sonst gerne auf unserem Reiseblog kreativ aus. Ebenfalls ein Großteil meiner Freizeit wird schon lange von der Fotografie und Gestaltung geprägt. So startete ich nach meiner Ausbildung erfolgreich den berühmten Versuch, das Hobby zum Beruf zu machen. Als Mediengestalterin begann ich selbstständig zu arbeiten und auch jetzt noch nehme ich als Digital Nomade immer wieder kleine und große Aufträge entgegen.

 

Parallel zur Arbeit beschloss ich mich weiter zu bilden und begann ein Studium im Medienwesen. Hobby und Zeit in der Natur blieben dann aber zunehmend mehr auf der Strecke, ebenso wie meine Vierbeiner. Außerdem merkte ich, wie sehr ich mich immer mehr nach der Ruhe inmitten von Wiesen und Wäldern sehnten. Im Urlaub zog es mich weiter weg von den Touristikgebieten, rein in die Natur, ans Meer und zu den Einheimischen. Weg von allem Lärm und Dreck, den die Menschen überall hinterlassen.

 

Mir war schon immer klar, dass ich in der normalen (Arbeits-) Welt nichts zu suchen habe. Denn für einen normalen Arbeitnehmer ticken die Uhren einfach anders. Aber nicht nur das ist nervig; der tägliche Alltagstrott, die einfältige Arbeit, sonntags schon wieder den Montag im Kopf zu haben, selbst nach Feierabend nicht so recht abschalten zu können und viele andere Kleinigkeiten führten dazu, dass ich zu dem Entschluss kam, etwas komplett Neues anfangen zu müssen, um glücklich zu werden.

 

Ich wusste, mit einem Studium habe ich die Möglichkeit mich weiter zu bilden, etwas zu lernen, dass mir mehr Spaß macht, um später eine bessere Chance auf einen passenderen und vielfältigeren Job zu bekommen. Doch auch während meines Studiums kam die ständige Sehnsucht nach mehr Zeit. Zeit woanders. – Für mich wurde immer klarer: Ich muss raus! Doch wohin?

 

Oft habe ich mich gefragt, was ich vom Leben will, wo ich wirklich hinwill und wo mein Platz in der Gesellschaft sein könnte. Jahre lang habe ich mich – so wie wohl auch die meisten Menschen um mich herum – von den Strömen der Zeit und meiner Erziehung führen lassen. Ich komme aus einer Familie, in der ich dazu erzogen wurden, den klassischen Weg zu gehen. Das ist absolut okay. Auch wenn dieser Weg einen gradewegs in Hamsterrad der Arbeitswelt führt, bietet er einem heutzutage doch eine Vielzahl an Möglichkeiten und Chancen. Doch nicht für mich.

 

Jahrelang habe ich davon geträumt auszusteigen, nicht einmal habe ich es gewagt. Jahrzehnte lang wurde mir vorgelebt: Es gibt nur diesen einen klassischen Weg. Vom Kindergartenkind zum Angestellten. Ein Weg ohne Abzweigungen und Trampelpfade. – Ich fing immer mehr an, diese Routenführung anzuzweifeln. Meine Sehnsüchte nach der weiten Welt wurden von Jahr zu Jahr größer und ich fragte mich schlussendlich, was mich wirklich glücklich macht. Um festzustellen: Ich weiß es nicht.

Dass ich etwas anders bin, war mich schon immer klar. Anders im Vergleich zu all diesen Menschen, die den ganzen Tag hektisch durch die Fußgängerzone wuseln, um sich dann in ein Café zu setzen um – vom Lärm der Stadt zugedröhnt – zu entspannen. Ich sehne mich nicht nach all diesem Trubel, meine schönsten Momente hatte ich stets mit meinen Hunden, wenn ich mich für Stunden in der Natur verlor.

 

Mir liegt nun einmal kaum etwas an dieser Art von Leben, ich passe nicht neben all die Hamster im Rad einer solchen Gesellschaft. Besonders die kalte Mentalität meines Heimatlandes werde ich sicherlich als Letztes vermissen, wenn sich das Heimweh breitmachen sollte. Unter all den Regeln und Vorschriften des bürokratischen Systems, geht das herzliche Miteinander leider viel zu oft unter. Sich in einem Gespräch mit einem völlig Fremden zu verlieren oder selbstlose Hilfe in einer scheinbar ausweglosen Situation zu bekommen, ist in der konsumgeprägten Gesellschaft unserer Heimat kaum denkbar.

 

Schlussendlich war es vielleicht auch der Weg ins Studium, der mir über viele Ecken all die Anreize und Inspirationen geliefert hat, die mich dazu bewegt haben, mein Leben zu hinterfragen und in ein Vanlife als Digital Nomadin zu starten. Doch den Traum vom Aussteigen hatte ich schon, seit ich im Alter von 16 Jahren das erste Mal Meerluft geschnuppert habe. Das Studium hat mir lediglich die Augen dafür geöffnet, wie viele Möglichkeiten noch vollkommen unberührt vor mir liegen.

 

Als mir bewusst wurde, dass das Unausweichliche unumgänglich ist, ging mein Ausstieg ziemlich schnell. Innerhalb eines halben Jahres machte ich kurzen Prozess, gab (fast) alles auf, was ich besaß und wurde Besitzerin eines ausgebauten Viat Ducato. Ich machte zu Geld, was sich nicht auf 12 qm unterbringen ließ und tauschte meinen festen Wohnsitz gegen das Leben als Aussteigerin im Van ein. Mit meinem beiden Vierbeinern zog ich im Frühjahr 2019 los, um die Welt zu entdecken.

 

Zu wissen, dass das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten komplett abhängig machen wie viel man im Monat verdient, bereitet auch mir noch gelegentlich etwas Angst. Nirgends daheim zu sein und dennoch überall ein Zuhause zu finden, scheint manchmal unmöglich und zählt schlussendlich trotzdem immer wieder zu den besten Erfahrungen.

 

Ich verstehe all diejenigen, welche dieselben Träume von ihrem Leben haben, sich aber auch von denselben Ängsten davon abhalten lassen, den Schritt in den Ausstieg zu wagen. Existenzangst ist eine sehr tief sitzende und absolut natürliche Angst, die jeder hat, der sich aus seinem gewohnten, von der Gesellschaft vorgelebten, Umfeld lösen will, um sich in die absolute Unsicherheit und Unabhängigkeit zu wagen. Auch ich habe diese Angst in ihrer vollen Kraft gespürt – habe mich ihr aber gestellt!