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Auf Umwegen – Wie wir zum Geocachen gekommen sind

von Jess

Da viele diese Geschichte als "etwas unkonventionell" bezeichnen, dachte ich, das wäre doch mal ein Artikel wert. Denn auch wenn wir offiziell seit Dezember 2012 einen gemeinsam registrierten Account haben, trafen wir in der Vergangenheit immer wieder viele Cacher an, die seit bedeutend kürzerer Zeit die Dosensuche ihr Hobby nannten und dennoch um einiges mehr Erfahrung hatten als wir. Die Antwort auf die Frage: "Wie kann das denn sein?", finden die Meisten lustig und beginnen zu lachen. Wir allerdings, werden dann an unsere grauenhaft naive Jugendzeit erinnert und finden die Geschichte nicht ganz so witzig. Doch schlussendlich zeigt sie uns auch, wie wir uns über die Zeit der letzten Jahre weiter entwickelt haben.

 

Schon bald 6 Jahre kenne ich Jens und somit das Geocachen. Bereits bei unseren ersten Treffen erzählte er mir von seinem Hobby und wollte mich dafür begeistern ihn und seinen Kumpel auf den Nachttouren zu begleiten. Dies, war das Erste, was ich mit Geocachen verknüpfte: Nachts im Wald rumrennen, denn man durfte ja nicht gesehen werden!

 

Die Jungs gingen fast nur abends zusammen los und meistens am Wochenende bis in die Nacht. Gecached wurde mit dem GPS-Gerät von Opa aus der Steinzeit. Dass es sich meistens zu fast 99.9% nicht um Nachtcaches handelte, kümmerte die beiden nicht. Dass sie wussten, was ein Nachtcache war, war schon ein Wunder. Jens hatte zwar ein Account, doch loggte höchstens jeden zehnten Geocache, da es ihm zu anstrengend war die Seite von Groundspeak zu besuchen, die Caches zu suchen und zu loggen…

 

Meine Lust zu cachen war nach wenigen Monaten an ihrem Tiefpunkt angelangt, als wir nachts einen gut 8 Kilometer langen Multi in den Weinbergen machten und die Jungs bei der letzten Station mit dem Überschlagen der Zahlen im Kopf ein Finale berechneten, dass weit abseits des tatsächlichen lag. Nach über einer Stunde suchen im dunklen Nirgendwo mit Handytaschenlampen, beschlossen die Jungs die Zahlen für das Finale mit dem Handytaschenrechner nachzurechnen. Die Zahlen der Stages wurden aber nicht aufgeschrieben und schnell kamen Unstimmigkeiten auf, welche Zahl nun wirklich an welcher Stage abgelesen wurde. Das freudige Ergebnis dieser Diskussion belief sich auf den Entschluss, den Multi einfach nochmal von vorne anzufangen. Zwei Stunden später war der Akku von zwei Handys leer und die Batterien vom GPS Gerät auch. Somit wurde vermutet, wo sich ungefähr das neu errechnete Finale befinden musste, um dort dann – zu dritt, mit einer Handytaschenlampe – nach der Dose zu suchen. Dass diese dann tatsächlich um 2 Uhr nachts geborgen werden konnte, änderte für mich nichts mehr: Ich hasste Geocachen.

 

Es dauerte eine Weile, bis ich wieder mit mir reden ließ. Jens versuchte mich schließlich mit einem waschechten Nachtcache zu begeistern. Eine tolle Geschichte über Hänsel und Gretel mit einem noch toller aufbereiteten Finale – so erzählte man sich. Das Beste aber war: Ich erfuhr, dass man bei Nachtcaches Reflektoren an Bäumen suchen musste und nicht Zahlen auf Schildern. Als die Jungs dann noch mit richtigen Taschenlampen und Ersatzbatterien antanzten, war ich überzeugt und bereute es nicht.

 

Von da an war ich begeistert von Nachtcaches und begann mich zu informieren. Ich las mich ein in die Basics des Cachen. Welche Arten es gab und welche Regeln und fand heraus, dass es sogar eine App fürs Handy gibt. Ich wollte das Spiel richtig spielen. Nicht stundenlang erfolglos eine Dose suchen, weil keiner weiß, was T5 bedeutet. Und auch nicht mehr am Finale eines Multis scheitern, weil keiner das Listing oder den Hinweis auf "Nur mit Magnet zu bergen." gelesen hat. So stellte ich Jens vor die Wahl: Richtig Cachen oder ohne mich! – Er entschied sich natürlich richtig.

 

Die Folgejahre cachten wir, wie es sich gehört, trauten uns aber auch nicht vieles zu. Meistens machten wir einfache Tradis oder wirklich einfache Multis. Wir legten uns einen gemeinsamen Account an und hatten in unserer alten Homezone die Qual der Wahl an Geocaches. Zumal Jens sowieso kaum einen Cache je geloggt hatte, konnte er sie alle nun mit dem neuen Account nochmal machen und dann auch loggen. Damals war auch schon Müsly mit dabei und kam auf jedes Log-Foto mit drauf. Müsly war es auch, die uns schlussendlich richtig in die Cacherszene brachte. Denn eines Tages bekam ich eine E-Mail von einem anderen Cacher. Für ihn war Müsly wohl soetwas wie eine kleine Berühmtheit, da sie auf jedem Log-Foto in seiner Homezone zu sehen war. Er fragte mich, ob wir aus der Region kämen und uns vielleicht auf dem Event im nächsten Monat treffen wöllten.

 

Events – Das war eine der vielen Schwellen, die keiner von uns bis Dato überschritten hatte. Warum eigentlich? – Es wusste keiner so wirklich. Ich schrieb aber mit dem netten Cacher hin und her und bekam richtig Lust auf das von ihm genannte Event zu gehen. Das wurde schließlich auch zu unserem ersten Event. Ein Wasserspritzpistolen-Flashmob. Als wasserscheue Ratte, fand Müsly das Event nicht ganz so toll wie ich, doch sie überlebte es. Von da an begannen wir uns für Events zu interessieren. Die erste Freundschaft zu einem anderen Cacher holte uns aus dem isolierten Einzelcachen heraus und rein in die Szene. Wir lernten den örtlichen Stammtisch kennen und freundeten uns rasch mit den Veranstaltern an. (Zu Müsly's Freude gab es dort in der Regel keine Wasserschlachten.)

 

Nature.Impulse - Müsly mir ihrem 1. Geocache
Ikonen, ja regelrechte Legenden von Cachern und Ownern, von den wir bisweilen nur in Logs gelesen hatten und die wir für wahre Götter der Szene hielten, bekamen plötzlich ein Gesicht und richtige Namen. Schockierend stellten wir fest, dass der Durschnitt der Cachergemeinde bedeutend älter war als wir und wir, mit unseren jungen Zwanzigern, fast schon eine Ausnahme darstellten. Doch für uns spielte das keine Rolle. Wir bekam Spaß daran uns mit anderen Geocachern auszutauschen und hatten stets offene Ohren, wenn die alten Hasen untereinander fachsimpelten. Wir bekamen Tipps für schwierigere Multis und wurden motiviert uns auch an Mysteries zu wagen. Wir erfuhren viele Sachen über unser Hobby, die uns zuvor völlig fremd waren, loggten nach kurzer Zeit erfolgreich unseren ersten Wherigo und besuchten im Folgejahr unser erstes Cito.  Für Earthcaches können wir uns bis heute noch nicht so recht begeistern lassen, aber den einen oder anderen Webcam-Cache machen wir mittlerweile zwischendurch schon mal. Schließlich hatten  Jens und ich das nötige Interesse an unserem Hobby, um auch stolz darüber erzählen zu können und zu wissen, was wir tun. Wir wussten, wo die Grenzen liegen, was sich gehört, was zu den No-Goes zählt und wie toll es ist, dieses Hobby mit anderen Cacher – egal welchen Alters – teilen zu können. Es dauerte nicht lange, da hatten wir auch schon eine Idee für einen ersten eigenen Geocache. Den Multi mit gleichnamigem Bonus Glück auf 4 Pfoten haben wir nach unserem Umzug auch in der neuen Homezone gleich wieder installiert und eingereicht.

Mittlerweile dürfen wir über unsere Erfahrungen vom Echtzeitcache der SOKO-Schwarzwaldmarie erzählen, haben uns an den Dexter in Bensheim gewagt, an einige Dosen der Helden in der Nähe von Worms und sind bald bei 1500 Logs angekommen. Vor einiger Zeit schon ist Müsly von uns zu einem richtigen Cacherdog ausgebildet worden um mit ihr als professionelles Team unser Hobby auszuüben. Korny ist gerade noch als Azubi in der Lehre, aber als Teil der Truppe wird auch er ein waschechter Cacherdog werden. Dieses Hobby, dass man überall mit hin nehmen kann und von überall aus machen kann, hat uns über die letzten Jahre nämlich fest gepackt und wird uns zweifelsfrei so schnell nicht mehr loslassen. Egal wohin unsere Reisen und Roadtrips uns führen, das Geocachen wird immer mit dabei sein und uns wie der Travelbug auf unserem Auto begleiten.